Freitag, 20. März 2020

GERBITZ op.98 aus 1889

Gerbitz unweit von Bernburg. Hier wurde in die neuerbaute Kirche aus rotem Backstein die mittlerweile ein neues Dach hat und eine Ausstellung im Turm beherbergt, ein neues Orgelwerk installiert.
Gerbitz op.98
All das im Jahr 1889 mit der damals neuesten Technik, der Röhrenpneumatik, welche beim Besten auf diesem Gebiete bestellt wurde. Rühlmann mit seinen wackeren Genossen erschufen für die neue kleine Dorfkirche die 98te Orgel die die Anstalt verließ. Eine Voix céleste fehlt leider noch im Registeroevre, diese wurde erst ein paar Jahre später zum Standard. Das Orgelwerk ist das 18te pneumatische Instrument was auf der mitAbstromprincip basierenden Kastenlade (in Kooperation mit Ernst Röver/Hausneindorf) beruht.>Rühlmann Pneumatik System Version I.
Spieltisch- Firmenschild ist geklaut.
Momentan ist die Orgel nicht spielbar , ist aber in allen Teilen komplett und original erhalten was einer Restauration eines der ersten pneumatisch gesteuerten Instrumente als Alleinstellungsmerkmal zugute kommt! Manual I und Pedal stehen chromatisch hintereinander, darüber ist quer das II.Man. aufgebänkt.
Windlade II. Manual
Die eleganten Messing-Impulsleitungen (Röhrenpneumatic) zeugen bis hin zum Spieltisch der auch in Abstromtechnik ausgeführt ist, von einer, den höchsten Ansprüchen arbeitenden Firma-auf höchstem Niveau technisch und klanglich nur Goldmedaille-prämierte Qualität abzulieferte! Die sonderbare Windanlage aus Magazinbalg mit 2 darunter liegenden Schöpfern und darüber liegenden Keilbalg ist ebenso erhalten. Darauf gehen wir noch gesondert ein.
Windanlage.
Es wird eine Freude sein wenn das Werk wieder erklingt....momentan ist es durch frühere Nässe Dreck und keiner Pflege- fast unspielbar.

Dienstag, 17. März 2020

Opus 199 in ALTEN bei Dessau aus 1898!

Im damaligen Vorort Alten heute Dessau-Alten wurde eine neue Dorfkirche erbaut, hier wurde wie immer ein neues Orgelwerk gefordert. Bestellt in Zörbig bei Rühlmann. Geliefert als opus 199 steht es vor der Fensterrosette der im neoromanischen Stil im Grundriss eines griechischen Kreuzes errichteten Kirche.
opus 199 Schauseite
Im inneren Besticht das Bauwerk durch reiche Ausmalung besonders im Altarraum.
Altarraum
Die Orgel wirkt erhaben, und ist in C und Cis Seite mit 2 Seitentürmen vor das Fenster gesetzt. Auf pneumatischen Kastenladen mit Zustromtechnik (Version2 ) steht hinter dem klingenden Prospekt, der leider immer noch in Zinkersatz erhalten ist, die Pfeifen der beiden Manuale. Die Windlade ist als "Zwillingslade" erbaut. Manual I wird vorn angesteuert und Manual II rückseitig. Die Vorrelais sind mit schallisolierenden Schutzleisten versehen, alle anderen Steuerungsorgane liegen im inneren der Kanzelle.
Vor-Relais mit Schallschutzleisten
Das Pedal steht chromatisch ebenerdig dahinter. Klanglich wieder interessant ist die Komposition an Registern und deren Aufbau. Die Gamba 8' fehlt in der gesamten Orgel. Hohlflöte und Doppelflöte 8' starten auf I, gefolgt von Lieblich Gedackt 8' einem zarten Dolce 8' und Salicional 8' welches kräftigt streicht.Wenn die Principale 8+4 auf I gezogen sind kommen Flauto amabile 4' und die scharfe Fugara 4' hinzu. Jetzt kommt der Auftritt der "Octavcoppel" der Oberoktavkoppel II-I. Die scharf streichende Fugara hat soviele Obertöne das man denkt man spielt schon mit einer Mixtur 3 fach! Eine extreme Klangerfahrung. jetzt kommt der immer bezaubernde Bordun 16' hinzu der dem Ganzem Fülle und Wärme gibt. Eine große HammondOrgel:-) dann endlich kommt die 3fache Mixtur - die so mild ist und auch so erbaut: 2 konische Gemshorn-Chöre und ein zylindrischer Principal 2' und das alles auf 82mm Wassersäule -Winddruck. 
Durchblick zur Orgel
Restauriert wurde das ganze Instrument von Christian Scheffler-Sieversdorf in den 1990ern. Mehr auf der Hausseite der Gemeinde:
 www.melanchthon-kirche.dessau.de

Montag, 16. März 2020

HECKLINGEN op.59 aus 1884

Hecklingen bei Staßfurt. In der ehemaligen Klosterkirche St.Georg und St.Pancratius - eine romanische Pfeilerbasilika mit eines der besterhaltensten Reliefplastiken der ausgehenden Romanik, dem Engelszyklus- überarbeitet und zusätzlich ausgemalt im neobyzantinischem Styl. vergl. Wartburg-Sängersaal; Neuschwanstein: Thronsaal und Sängersaal.
Aber dazu mehr auf:  www.basilika-hecklingen.de/
und https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Hecklingen
Hecklingen opus 59

Nun zur Orgel, einem Werk der Orgelbau-Anstalt von Wilhelm Rühlmann aus dem Jahr 1884. Vor dem Rosettenfenster auf der ehemaligen Fürstenloge kommt das nur zweimanualige Instrument zu stehen. Von dort hat es den gewaltigen Kirchenraum der Basilika zu füllen. Der offene in C und Cis-Seite geteilte Prospekt fast schon katholisch wirkend, begünstigt mit dem Gewölbe darüber eine perfekte Klangabstrahlung. Ausgeliefert als opus 59 im Jahr 1884. Zu der Zeit war Rühlmann mit seinen wackeren Orgelbauern gerade in sein neu erbautes Anstaltsgebäude vor den Toren der Stadt Zörbigs umgezogen. Auf noch klassisch mechanischen Schleifladen und Tonkanzellen findet man ein kraftvoll aber ohne Aliquoten besetztes II. Manual welches auf füllende Grundstimmen ausgelegt ist. Dazu auf I. der klassische Principalchor 8'-4- 2.2/3'-2' und die hier noch strahlende Mixtur 4fach in 2'. Dazu ein grundtönig raumfüllender Bordun 16' und warme Flöten unterschiedlichster Couleur Hohlflöte 8' Rohrflöte 4' Flauto traverso 8' (II) Flauto amabile 4' (II) ergänzt durch Gedackte in 8'. Dazu gesellen sich die obertonlastige Viola di Gamba 8' (I) und auf II der kräftige Salicional 8' und das elegante Gemshorn 4' hinzu. Die  wiederergänzte Trompete 8' gibt einen kräftig schmetternden Glanz der mit der bollernden Posaune 16' im Pedal das volle Werk im Gesamtklang abrundet und den Raum flutet durch Kraft und Erhabenheit der mittleren Schaffensperiode der Orgelbau-Anstalt.
Registerstaffelei I.Man. Sperrventile
Im ersten Manual ist die komplette klassische Register-Batterie vertreten. Ein noch hochromantisches Instrument auf der Vorstufe zur Spätromantik.
Spielschrank in Concertstimmung
Wo man sich 3 Manuale wünscht trägt das Instrument und der Raum der Basilika dazu bei das auch die kleinere II manualige mit 22 Registern ausgestattete Orgel alles kann und keine Wünsche übrig lässt. Sperrventile für alle Werke sind zusätzlich vorhanden und lassen ggf schnelles umregistrieren auf das Volle Werk oder anderes herum zu. Ein in Kiefernholz angelegtes Gehäuse mit den aufgesetzten Kreuzen auf den beiden Dreiecksgiebeln wirkt erhaben, der Kirche angemessen und spiegelt die Würde des historischen Raumes zurückhaltend wieder.
Spielschrank frontal

Montag, 9. März 2020

BAASDORF opus 183 aus 1896

Baasdorf, unweit von Köthen. Die Kirche die fast am einstürzen war - ist gerettet und komplett instandgesetzt durch die sehr engagierten Gemeindemitglieder - die genau so verrückt sind wie ich. Einzig und allein die Orgel fehlt. Das soll nun folgen. Natürlich ein Werk der Orgelbauanstalt-Rühlmann in Zörbig.
Baasdorf Gehäuse in Eichenholz
Die damalige neu gebaute Kirche bestellte natürlich im nahegelegenen Zörbig ein neues Instrument samt neuem Neo-gotischen Gehäuse. Sicher ist der Entwurf dazu beim Architekten des Gebäudes mit bestellt wurden, ausgeführt wurde es aus schwerem Eichenholz in der Gehäusebau-Abteilung der Orgelbau-Anstalt. Beeindruckend ist es, seine Aufbauten erinnern an die Instrumente der Thomaskirche und Petrikirche in Leipzig. Auf 2 Manualen presentieren sich 14 Register. Diese stehen auf dem damals modernsten was es gab -  pneumatischen Kastenladen.
Rühlmann Pneumatik Version II. Messingrohre und Zustromtechnologie. Man erkennt deutlich das Vorrelais
Massive Windladen, Balganlage und etliches an originalen Pfeifen aus Zörbig ist vorhanden. Einem Umbau blieb dem wertvollem Instrument erspart. Jedoch wurde es Anfang der 1980er zerstört durch eine Jugend die heute versucht alles Anders zu gestalten. Der Spieltisch und sein Innenleben, dem Herzstück der pneumatischen Steuerung, ist zerstört -  - Impulsleitungen sind herausgerissen.
mutwillig zerstörter Spieltisch, aber nicht rettungslos verloren!
Nässeschäden aus vergangenen Zeiten der Nachlässigkeit sorgen für ein zusätzlich desolates Bild. Aber der Traum der Gemeindekirchenräte bleibt: das endlich die Orgel wieder klingt zur Freude der Menschen, Besucher, der eigenen Gemeinde und zur Ehre des Herrn. Das ist nicht weithergeholt, größtenteils ist das Instrument erhalten, und lässt sich bequem restaurieren.
In den kommenden Jahren wird es soweit sein! Die Orgel würde wenn man sie heute neu erbauen würde etwa 400.000,- EUR kosten.

Sonntag, 8. März 2020

die erste eingesetzte Pneumatik OP.85 in MITTELEDLAU

Zörbig.1887. 4 Jahre nach Einzug in die neuen Anstaltsgebäude. Es war soweit: endlich die Erste Orgel mit der damals unbekannten pneumatischen Traktur. Zumindest ein Teilwerk- das Pedal wurde pneumatisch also über Druckluft-Impulse gesteuert. Die restliche Anlage ist noch mit Tonkanzellen und mechanischer Traktur versehen.  
Mitteledlau opus 85

op.86 Querfurt/Schloßkirche II/14; op.87 Bernburg II/26 St.Martin(verändert und auf III erweitert von Rühlmann); op.88 Köthen Lehrerseminar II/17; op.89 Schkeuditz Stadtschule I/7 -  sind nicht erhalten. opus 90  in Stumsdorf ist spielbar erhalten. Sylda op.93 ist umgebaut, op.94 Thurau-das Gebäude ist Baupolizeilich gesperrt, Op.95 Büschdorf bei Halle und op.96 Neugattersleben bei Staßfurt zeugen von großer Kenntnis der Pneumatik und den damaligen Kastenladen., ein System erfunden von Ernst Röver  - Hausneindorf. Rühlmann baute es wohl in etwas verbesserter Version als  Patentlizenz...das ist aber unklar. Zumindest funktionieren auch kaum gespielte Instrumente noch, wenn auch eingeschränkt.
Spielschrank noch in mechanischer Bauweise.
Die nachfolgend erbauten Werke:
In MITTELEDLAU bei Könnern ist zumindest das Pedal so eingerichtet. Die Kirche ist seit 30 Jahren nicht mehr in Benutzung aber sicher gegen Regen und Feuchtigkeit. Das Werk von Rühlmann funktioniert aber immer noch, man konnte darauf spielen, tolle kraftvolle Klänge kamen heraus. Ein oft verwendetes neoromanisches Gehäuse seit 1917 ohne Prospektpfeifen, rahmt das Ganze.
Pedal mit pneumatischen Relais

Pedalkanzelle mit frühen Pneumatikrohren. Kastenlade in Abstromprinzip.
Mit dieser vergessenen Orgel beginnt 1887 der Übergang in eine neue Zeit -  der pneumatic-Orgel. Welch starken Optimismus muß Wilhelm Rühlmann in sich getragen haben, als das Alles in Kinderschuhen steckte, andere noch gar nicht daran dachten, Andere es schon anwendeten und nicht beherrschten - er und seine Firma war Vorreiter auf diesem Gebiet - etwas perfektes abzuliefern. Die Orgel in Mitteledlau vermittelt den Übergang von mechanischer Schleiflade zum pneumatischen Zeitalter- in einer Zeit als andere nachwievor die mechanische Schleiflade bauten. Der Vorreiter der Technik! Rühlmann-Zörbig!

Freitag, 6. März 2020

LÖDERBURG opus 137 aus 1893

In der Nähe von Staßfurt steht unverändert und komplett spielbar Rühlmanns opus 137 aus dem Jahr 1893.
Löderburg, Orgelgehäuse
In die neue Kirche musste auch ein neues Instrument - somit bestellte man bei Rühlmann-Zörbig damals das neueste was es gab. Spätromantische Stimmen auf der neuartigen pneumatischen Kastenlade. eine Kopie in abgeänderter Form der von Röver (Hausneindorf) sicher gegen Lizenzvertrag wurde das neue System verbessert und verwendet. Zu dieser Windladenbauform und Steuertechnik folgt noch ein eigener Bericht...
Rühlmann´s unübertroffene Pneumatik Version I.   hier in Abstromtechnik mit eleganten Messingrohren.Ø 9mm
Soviel dazu: eines der präzisesten Windladen für Tonansprache und Repition. In Löderburg sind leider nur Labialstimmen verbaut, aber diese füllen den Raum mit ihrer imposanten Schönheit. Das Instrument ist original erhalten und komplett spielbar - sucht daher Organisten die einmal ein Concert auf ihr geben.
Spieltisch
Die schönen abgerundeten Stimmen des Werkes lassen von Reubke bis Reger alles zu, und verschmelzen dank der Kasten oder Unit-Lade zu einem großen rundem Ganzen.

Donnerstag, 5. März 2020

WERBEN bei Zörbig opus 25 aus 1878

Hier in der damals neuerbauten Dorfkirche in Werben in der Nähe des Petersberges bei Halle/Zörbig steht Rühlmanns 25tes Werk aus dem Jahr 1878.
Auf II Manualen mit mechanischen Schleifladen stehen noch nach historischen Vorbildern 13 Register. Diese sind aber schon ganz im Stil der Romantik angepasst. Getreu des Vaters und Firmengründers Friedrich W. Rühlmann immer auch bei weniger Stimmenzahl mindestens zwei Pedalregister. Sohn Wilhelm , jetziger Firmeninhaber der kleinen und bescheidenen Hinterhofwerkstatt in der Innenstadt Zörbig's  (Leipzigerstraße) mit ganz wenigen Mitarbeitern- wußte schon damals: zwei Manuale - auch bei wenigen Registern  - das muß sein, sonst bleibt auch dem bescheidensten Organisten eine Vielzahl an Orgelliteratur und auch Kreativität verschlossen. Ein Manual schränkt sehr ein. Die Disposition ist ganz nach dem Vorbild seiner Meisterschule Ladegast behaftet: Principalchor in 8'-4'-2'-Mixtur 3fach. Auf dem II.Manual die Stimmen des Echowerkes, Zartheit und Schönheit der Soloregister kommen hier zur Geltung. Noch ganz anders als bei späteren Orgelwerken, hier wurde das II. Manual wieder zu einem Gegenspieler des Hauptwerkes.
Aber das lag in ferner Zukunft, hier mechanisch, noch dem klassischen Orgelbau folgend, das frühe Opus 25. Gravität der Grundstimmen und die Strahlkraft der Aliquotstimmen bestimmen das klangliche Bild. Das Gehäuse ist in Bierlack-Lackierung ausgeführt, Flache Felder und ein hervorragender Mittelturm beherrschen das Bild. Orgelbauer Thilo Lützkendorf / Halle sah die Orgel noch vor der politischen Wende 1989 in aufwendiger Arbeit durch.
Mechanische Tonkanzelle, elegante Spielweise, spitzengelagerte Wellen für klapperfreie Spielart kennzeichnen diese frühe Epoche des jungen Meisters, der in Zukunft eher Firmenchef  Direktor und  Inhaber aber auch Ideengeber war und sich auf seine getreuen Mitarbeiter stützen konnte. Im Frühjahr bis Herbst ist die Kirche in Werben für Besuche verlässlich geöffnet und besuchbar.

Mittwoch, 26. Februar 2020

Martin Rinckart - Nun danket alle Gott

Eilenburg 1639- Erzdiakonus Martin Rinckart hält einen Bittgottesdienst in der Nicolaikirche ab, um die Stadt zu eretten vor der Zerstörung der schwedischen Truppen die ihre Kriegssteuer eintreiben wollten. Das Monumentalgemälde welches in der Aula des ehem.Gymnasiums in Eilenburg hängt (ca 4x6Meter) aus dem Jahr 1907 von Adolf Gustav Schlabitz (1854-1943) zeigt die Szenerie ganz deutlich und emotional. Maler Schlabitz projeziert gekonnt Eilenburger Gesichter in das Bild der anwesenden Gemeinde, hier gibt es eine Schablone welches die Gesichter zeigt die aus der damaligen Bürgerschaft portraitiert wurden und mit deren Namen beschriftet sind. Noch heute erkennen Eilenburger Familien sich und ihre Vorfahren auf diesem monumentalen Bild.
Monumentalgemälde aus 1907 von Adolf Gustav Schlabitz
Martin Rinckart, Pfarrer, Erzdiakonus und ehemaliger Thomaner in Leipzig - der Dichter und Komponist des weltbekannten Liedes "Nun danket alle Gott" englisch: "now thanks we all our god" ist auf der Kanzel mit gefalteteten Händen fast unerkannt und nur im abgewanden Profil zu sehen. Die Anwesenden hängen mit ihren Augen an Ihm. Er blickt mit seinen Augen zu seinem Gott um die Menschen und die Stadt vor der Zerstörung zu wahren. Am Rande ist vermutlich Kaiser Wilhelm II zu erkennen als Patronus der evangelischen Kirche. Das Bild wurde 1907 erstellt. Im Mittelpunkt steht jedoch etwas ganz anderes - dafür verlangt es der genauen Betrachtung. Eine junge einsame schöne Frau - eine Frau die ihren Mann im Krieg verloren hat und mit ihren Drei Kindern um ihre Zukunft betet. Augenbrauen, starre Gesichtszüge, die Mundwinkel spannungsgeladen nach unten - Diese Frau hat Schweres durchgemacht, sie ist deutsch, gibt nicht auf - der Sohn schaut auf die Mutter -  verrat mir dein Geheimnis des Glaubens"
Ausschnit: junge Mutter mit ihren Kindern
der futuristische Kaiser der allen Menschen Frieden bringen wollte, ist ja auch mit im Bild, Wilhelm II. Protektor des evangelischem Glaubens daneben Gustav Adolf von Schweden als Soldat in tiefer Ehrfurcht und zeigt nach draussen -  "geht raus Brüder und Schwestern! Wir reichen uns die Hände - wir halten Frieden"
Im Hintergrund die Eilenburger Bürgerschaft - benannt auf Schlabitz' Schablone wo ein jeder portraitiert und gemalt wurde. 
Wilhelm II Gustav Adolf II und die Eilenburgerin
Die Erettung wiederfährt und die Stadt wird verschont - Im Lied: (EG321, 2Str.) Der ewigreiche Gott woll uns bei unserm Leben- ein immer fröhlich Herz und edlen Frieden geben. Und uns in seiner Gnad erhalten fort und fort und uns aus aller Not erlösen hier und dort! Da es gelungen ist mit den Schweden zu kooperieren und der tote Gustav Adolf der bei Lützen getötet wurde, im "roten Hirsch" aufgebart wurde die III.Strophe: Lob Ehr und Preis sei Gott, dem Vater und dem Sohne und dem der Beiden gleich im höchsten Himmelsthrone dem dreimal einen Gott wie er urpsrünglich war -  und ist und bleiben wird jetztund und immerdar! Das Gemälde des Sämanns bei Eilenburg - wirkt hingegen beruhigend und geschichtlich unbehelligt- in der Morgendämmerung wird gesäet, im Hintergrund die Eulenburg der Wettiner.Er sät den Samen einer neuen Zeit..... Eilenburg, Sachsen, RinckartGymnasium jetzt Volkshochschule.
Säemann vor der Silouette von Eilenburg 1908 gemalt von Schlabitz



Dienstag, 25. Februar 2020

WIENDORF op.198 aus 1898!

Wiendorf bei Könnern, im dem neuerbauten Kirchenraum (reformiert nach dem Hof Köthen?) wurde die alte Orgel der Vorgängerkirche übernommen und integriert. Ein Barockorgelwerk. Das Gehäuse wurde übernommen und in diesem ein weit größeres Werk installiert:
Wiendorf , alter Barockprospekt mit Zinkpfeifen als Ersatz nach 1917.
1898 wurde es abgetragen und durch ein damals standesgemäßes Instrument ersetzt. Die kleine neue Orgel war nun nicht mehr nur dem kirchlichen Gebrauch vorbehalten sondern konnte auch in Konzerten und anderen Veranstaltungen benutzt werden. Auf nun eleganten 2 Manualen und Octavcoppel war und ist ein pianistisches und konzertantes Spiel möglich -  die wenigen aber alle Solo verwendbaren Register lassen Dies zu. Gepaart mit einem nun leichtgängigen Tastengang durch den Einsatz der pneumatischen Steuerung - hier sogar schon mit einer der frühen Kegelladen. (Rühlmann baut Flachventile!also keine Kegel)
Spieltisch.
Die Gesamtwirkung ist auch trotz mangelnder Pflege erkennbar und schafft immer noch Bewunderung. Die Pfeifen der Manuale stehen auf einer Zwilligslade.. Manual 1 und 2 auf einer kompakt erbauten Windlade die von 2 Seiten angesteuert wird. Einfach schöne Einzelstimmen wie Gamba8'- Doppelflöte8' und Principal8' oder Flauto8' Salicet8' und Flauto traversa4' incl Octavcoppel bereichern das Spektrum. Octave 4' und die Rauschquinte 2-2/3' &2' bringen die nötige Würde und die Abrundung der Grundstimmen. Wenige Register - so einsatzfähig und mannigfaltig im Kombinieren. Auch im Inneren der Orgel zeigt sich bei Opus 198 Qualität des Materials, Qualität der Verarbeitung und die elgante pneumatische Steuerung der frühen Periode.
einzigartige PneumatikSteuerung um 1900 (Spieltischrückseite geöffnet)
9mm Messingrohre, 90° Winkel und strahlenförmige Führung der Impulsleitungen sind die Markenzeichen. Soetwas ist bei keiner anderen Orgelbauanstalt um dieser Zeit erbaut und erkennbar. Der Spieltisch ist komplett rückseitig dicht verschlossen mit einem Bretterverschlag um gegen Witterung, Fremdeinwirkung und Dreck geschützt zu sein....hier geöffnet dargestellt. Die Mitarbeiter und Wilhelm Rühlmann stellen alle anderen Firmen um diese Zeit in den Schatten - das mit einer unereichbaren Präzision der Repition und Ansprache und einer beeindruckenden Intonation und Kombinierbarkeit der Register. Hier erkennt auch der Laie wie der Fachmann neidlos die Kompetenz der Orgelbauanstalt Rühlmann an, klanglich und technisch auf höchsten Niveau zu arbeiten.
geöffnete Spieltischrückseite.
Nicht umsonst wurde sie zu den 4 bekanntesten Orgelbauwerkstätten der Jahrhundertwende gezählt und in Fachliteratur genannt. Was haben wir für imperiale Instrumente auf unseren Dörfern! Auf die Größe kommt es nicht an. Klar ist groß immer schön-aber ist es auch schön?

ZELLEWITZ op.8 aus 1866

H.J. Falkenberg beschreibt kurz die Orgel auf Seite 14 in seinem RühlmannBuch aus 1994. Hier sind auch einige Fehler unterlaufen. Jetzt richtig und 26 Jahre später- die Kirche in Zellewitz ist gesperrt, Baufälligkeit und Ruinös.
Das Frühopus 8 aus dem Jahr 1866 ist rudimentär vorhanden und könnte sogar umgesetzt werden. Den Metallpfeifen ist es beraubt aber ansonsten rekonstruierbar in einer anderen Kirche oder einem Museum wiederaufstellbar. Sie ist in der Brüstung eingelassen und ist nicht hinterspielig sondern Seitenspielig!
Manualumfänge C-f3 und Pedal C-d1. Die Registerzüge sind links rechts und oben angeordnet. Das Werk wurde etwas demoliert aber es ist an anderer Stelle rekonstruierbar.
Das wäre die Rettung für Rühlmann´s 8tes Orgelwerk (2te Orgel Wilhelm Rühlmanns, da die Werkzählung mit dem Vater und Firmengründer Friedrich Wilhelm Rühlmann beginnt Op.1-6) Auch hier lässt sich schon erkennen das Technik und Verarbeitung des Materials von einem jungen und erfahrenen jungen Orgelbaumeister zeugen.