Sonntag, 20. März 2022

QUERFURT W:RÜHLMANN-ZÖRBIG op.122 aus 1891

 Ein weiteres geniales klangliches Exemplar der ausgehenden Hochromantik und der beginnenden Spätromantik steht spielbar und gut restauriert in Querfurt. Opus 122 der Orgelbauanstalt Rühlmann aus Zörbig. Fulminant disponiert ensteht auf den damals mordernen Kastenladen pneumatischer Abstrompneumatik ein klangliches Wunderwerk.

Querfurt

Ansprache und Repetition lassen hier keine Wünsche offen. Das zweite Manual steht in einem Schwellkasten welcher mittels eines Löffeltritts der zwischen den Pedaltasten  H und c° angeordnet ist, gesteuert.
Schwelltritt

Durch die Kastenlade entstehende Verschmelzungsfähigkeit der Register bringt einen ganz anderen Klang zu Gehör als die Schleiflade, Taschenlade oder Kegellade. Auf dem ersten Manual dominieren Flöten und Principale, getoppt durch eine klassische Trompete 8'. Das zweite Manual hat wie immer zartere Stimmen, aber steht auch nicht als unhörbares Echowerk dem ersten zurück. Geigenprincipal bringt Kernigkeit, Oboe 8' steuert reiche Obertöne bei. Voix céleste 8' schwebt zart durch den Raum, einfach Traumhaft. Das Gehäuse ist in moderner Neogotik gestaltet, hat an den äußeren Seiten Pfeifentürme wo die Pfeifen auch um die Ecke laufen. Die Pfeifen der Seitentürme und des Mittelfeldes haben Überlänge und ragen über das Gesims des Gehäuses hinaus. 
Größenvergleich in Querfurt

Das Gehäuse wurde 2 mal erbaut, ein weiteres befindet sich in Stassfurt St. Petri.
Gehäuse der Orgel in Stassfurt op.107

Das Orgelwerk dort Op. 107 wurde um 1913 überholt und hat einen modernen Spieltisch bekommen, umdisponiert wurde in Stassfurt in den 1950er Jahren auch. Der Schweller wurde dort entfernt. Querfurt besitzt noch den originalen Abstromspieltisch aus dem Jahr 1891, Stassfurt hat einen modernen mit 2 freien Kombinationen, Rollschweller und Balanciertritt. Der Gehäuseentwurf müsste vom Architekten der Petrikirche in Stassfurt stammen und wurde in Querfurt erneut verwendet. Das gleiche wurde in der Lutherkirche Bad Kösen und Halle Johanneskirche praktiziert. 

Montag, 7. März 2022

MÜHLHAUSEN W:RÜHLMANN opus 325 aus 1910

 Sankt Petri Mühlhausen.

1910 baute die OrgelbauAnstalt Rühlmann aus Zörbig ein komplett neues Orgelwerk in das Gehäuse der Vorgängerorgel, einem Instrument der Orgelbaufirma Schulze-Paulinzella. Typisch für Schulze ist ein klassizistisches Prospekt ohne Pfeifen, anstelle dessen rote Stoffbespannung und reichhaltiges Schnitzwerk in den Gehäusefronten.

Schulze Paulinzella Gehäuse

Demzufolge mußte man nicht 1917 Zinnprospektpfeifen abliefern. Das Werk ist unverändert erhalten, wurde restauriert. Es tun sich aber einige Fragen zur Nachintonation auf - im Vergleich zu anderen erbauten Werken der OrgelbauAnstalt aus den selben Jahr wirkt das Tutti des Werkes eher abgemildert und nicht so schmetternd wie man es von Rühlmann gewohnt ist.
Rühlmann Spieltisch aus dem Jahr 1910

Im nahegelegenen Seebach steht opus 311 aus dem Jahr 1909 mit einem pompösen Tutti incl Französischer Prägung durch die Obertonreichen Zungenstimmen. Intonation ist immer Geschmackssache und lässt sich ja auch in Zukunft wieder korrigieren. Zumindest ist ein großes originales Werk Rühlmanns erhalten und spielbereit für Organisten.
Detail Pedalregister

Detail Register II.Manual

Das erste Manual besticht durch seine deutschen Kernstimmen Gamba Principal Rauschquinte und Mixtur mit zusätzlicher Trompete legen ordentlich los. Das zweite Manual, dem breitangelgten Schwellwerk bestechen exquisite Solostimmen aller Coleur, vom zarten Salicional in Verbindung mit Voix céleste weiter zum kräftigen Geigenprincipal und dessen 4' Bruder der Fugara. Oboe gibt weichen samtigen Grund und die terzhaltige Harmonia aetherea 3 fach bringt farbigen Glanz in das Ensemble. Das ganze wird noch zusätzlich durch eine Superoktavkoppel II-I verdoppelt und verstärkt.
Rühlmann Pneumatik 1910

Die Pneumatik des Hauses Rühlmann lässt keine Kompromisse offen, präcise Repetition und Ansprache in Verbindung mit qualitativ hochwertigsten Windladenkonstruktionen lässt Kennerherzen und Ohren höher schlagen.

Sonntag, 6. März 2022

STEUTZ bei Aken/Elbe W:RÜHLMANN opus 119 aus 1891

 Steutz bei Aken im Großraum Dessau. Hier steht die original erhaltene Orgel der Orgelbauanstalt Rühlmann in Zörbig. 1891 im neoromanischen Gehäuse erbaut füllt es die nordelbische Kirche mit seinem warmen kraftvollen Spätromantischen Klang. 

Steutz opus 119

Kräftig aber runde Streicher, voller Principalklang, Warme vollendete Flöten und profunde Bässe prägen das Instrument. Die Windladen sind in solider Ausführung gearbeitet, und wurden mit der damals modernen Abstromtechnik und der Kastenlade der ersten Generation aus der Anstalt Rühlmann ausgestattet.
Manual II, quer in der Orgel

Diese Windladenkonstruktion bis hinein in den Spieltisch lässt eine absolut präcise pneumatische Tonrepetition zu. Der Spieltisch ist auch noch aus der ersten Generation der Pneumatik im Hause Rühlmann, vollkommene Abstrompneumatik.
Spieltisch Rückseite - pneumatische Impulsleitungen

Mechanisch eingreifende Manual und Pedalkoppel, die aber pneumatisch ausgelöst werden. Später ging man zum allgemeinen Zustromprinzip über und die Spieltische wurden rein pneumatisch konstruiert. Aber hier erstmal die erste Generation. Klanglich folgt das Instrument ganz klar die Rühlmannsche Linie, ein kraftvolles deutsches Hauptwerk welches durch ein etwas schwächeres aber nicht unhörbares, sondern mit kräftigen Solostimmen besetztes 2tes Manual ergänzt wird.
Spieltisch Vorderseite

Restauriert wurde das Instrument von der Orgelbaufirma Rühle Moritzburg.

Samstag, 5. März 2022

GNADAU bei Magdeburg W:RÜHLMANN op.117 aus 1891

 Im hiesigen Herrnhuter Brüdersaal der Gemeinde Gnadau konnte Wilhelm Rühlmann sein Opus 117 im Jahr 1891 liefern.

GNADAU opus 117 von W:Rühlmann

Das Instrument ist leider nur verändert erhalten. Als Saalorgel konzipiert, auf zwei Manualen finden wir 22 Register. Im Originalzustand ganz klassisch deutsche Hauptwerksregister im ersten Manual.
Register und Firmenschild

Das zweite Manual ist als Schwellwerk erbaut, welches mit Voix céleste und Oboe schönste Klangkombinationen erzeugen kann. Die Originaldisposition: 

 

1. Bordun 16' 10. Geigenprincipal 8' 18. Violon 16'
2. Principal 8' 11. Salicional 8' 19. Subbass 16'
3. Gambe 8' 12. Lieblich Gedackt 8' 20. Principalbass 8'
4. Hohlflöte 8' 13. Flauto Traverso 8' 21. Cello 8'
5. Rohrflöte 8' 14. Voix celéste 8' 22. Gedacktbass 8'
6. Oktave 4' 15. Fugara 4'

7. Gedackt 4' 16. Flauto Amabile 4'

8. Flautine 2' 17. Oboe 8'

9. Mixtur 4 fach 2'



Heute präsentiert sich das Werk aller Streicher beraubt und an dessen statt Aliquotstimmen die das Instrument barockisiert zu Gehör bringen. Der Spieltisch steht frei vor der Orgel und blickt in den Kirchsaal hinein. 

Freistehender Spieltisch

Die Windladen sind durchweg Kastenladen mit Abstrompneumatik. Diese Technik erlaubt präciseste Tonrepetitionen. Die Impulsleitungen sind als Messingrohre verlegt und verlötet. Eichenholzwindladen in höchster Güte verarbeitet.
Gehäuse Gnadau op.117 - 1891.
























































Freitag, 4. März 2022

GROSSRUDESTEDT E:F:WALCKER opus 1405 aus dem Jahr 1907

 Und noch ein seltenes Exemplar in unseren Mitteldeutschen Breitengraden. Die Walcker Orgel in Grossrudestedt bei Erfurt. Das 1405te Orgelwerk der Firma aus Ludwigsburg, Baden-Württemberg.

Grossrudestedt opus 1405

Auch hier wieder ein tolles Gehäuse aus Barockzeiten welches die Firma gleich wieder verwendet und ein neues Orgelwerk hineinkonstruiert hat. Gute deutsche spätromantische Geflogenheiten prägen das damals neue Werk. Die thüringischen Staaten kauften gern bei Walcker in Ludwigsburg, einige große Instrumente zeugen davon, Ilmenau, Weimar, Gera fürstlicher Concertsaal usw. Leider ist nur Ilmenau erhalten als Großorgel - Artikel in den älteren Posts. Bitte schauen! Aber hier erstmal wieder kleinere Brötchen: Aber auf Weltniveau. Es wurde bei der größten deutschen oder damals sogar weltgrößten Orgelbau-Anstalt ein neues Werk bestellt.
Walcker Spieltisch

Leider ohne Zungenstimmen, dafür jede Menge 8' Register. Mixtur ²/² 3' spielt den Tutti-Zeuger dazu gesellen sich neben den Hauptstimmen im ersten Manual die dynamischer differenzierten Stimmen des II.Manuals. Dieses wird bekrönt von einem Trompeten- oder Zungenstimmenersatz, einem Cornett 3-5 fach welches durch seine Terz und Obertonreichhaltigkeit ordentlich Farbe beisteuert. Das ganze Orgelwerk kommt ohne Super und Suboktavkoppeln aus, welche sicherlich das ganze Ensemble noch zusätzlich bereichert hätten.
Walcker opus 1405 in Grossrudestedt

Hier allerdings ganz bodenständig. Der Raum nimmt das Ganze dankend an. Momentan ist das ganze Werk noch unspielbar soll aber demnächst komplett restauriert werden. Der Spieltisch steht wie gehabt frei und blickt in den Kirchenraum.
freistehender Spieltisch

Der Tastaturumfang ist noch begrenzt auf C-f³ und C-d'. Später war die Firma Walcker Vorreiter und selbst kleinste Instrumente bekamen C-a³  und Pedal C-f'. Das Werk in Grossrudestedt ist vollpneumatisch und arbeitet mit Kegelladen der Erfindung des Hauses Walcker. Rückseitig der Orgel sind 2 Bälgetretertritte vorhanden mit eingegossenen Namenszug "WALCKER".
Bälgetreter- Tritte mit dem Erbauernamenszug

Später wurde eine elektrische Windmaschine nachgerüstet incl.neuem Windkanal. Leider funktioniert das Werk noch nicht, aber welche Freude wird sein, sobald die Restaurierung durch ist. 90mm WS bringen ordentlich Druck in den Hauptstimmen, Aeoline und Voix céleste werden himmlisch in Überzeugung treten. Vorfreude pur!

Donnerstag, 3. März 2022

STOTTERNHEIM bei Erfurt E:F:WALCKER opus 988 aus 1902

 Im thüringischen Stotternheim befindet sich eine der restaurierten und spielbaren Orgeln der Firma Walcker die in unserem mitteldeutschen Raum zu finden sind.

Stotternheim op.988 1902

Sie wurde in das überaus schöne und formvollendetete Barockgehäuse der Vorgängerorgel eingebaut. Der Spieltisch steht wie sooft bei der Firma Walcker frei vor der Orgel und blickt in den Kirchenraum. Die Windladen sind als typische pneumatische Kegelladen ausgeführt. Kurz vor Walckers opus 1000 für DANZIG stellte man die kleine Schwesterorgel in Stotternheim auf. Auf 2 Manualen und Pedal sind 22 Register zu finden.
Walcker Spieltisch aus dem Jahr 1902

Das 2te Manual steht in einem Schwellkasten welches mittels eines Balanciertritts gesteuert wird. im 1ten Manual befinden sich die Kernstimmen  und werden bekröhnt durch die 4fache Mixtur ²/² 3' welches im vollen Werk noch zusätzlich durch eine Trompete 8' obertonreich ergänzt wird. Im Schwellwerk wird durchaus differenziert vom kräftigen Geigenprincipal 8' abgestuft bis zur wohlig anheimelnd klingenden Voix céleste 8'. Zu einer weiteren Klangdynamsierung trägt noch zusätzlich die Superoctavcoppel im II.Manual bei, diese wirkt durch die Manualcoppel II-I auch im Vollen Werk auf I.
Detail Registerschaltung

Ganz anders als spätere Werke herrscht hier noch ganz klassisch die deutsche Spätromantik vor - hier waren bei Walcker noch alle Brüder im Geschäft aktiv, erst später wurde der Einfluß Dr.Oscar Walcker's spürbar der mit seinem genialen Onkel Eberhard Walcker, der Intonateur war, elsässische Züge im Instrumentenbau einfließen lies.



Mittwoch, 2. März 2022

RUDERSDORF bei Apolda E:F:WALCKER, opus 1726 aus 1912

 Rudersdorf bei Apolda, hier in das historische Barockgehäuse wurde 1912 ein neues Werk der Orgelbauanstalt Walcker in Ludwigsburg eingebaut.

Rudersdorf, historisches Gehäuse

Seitlich wurde das zu schmale Gehäuse erweitert. In der Niesche des alten Spielschrankes wurde der neue moderne Wechselwindspieltisch eingebaut. In den 1930er Jahren erfolgte eine einschneidende Umdisponierung die sich auf den Einbau eines Rollschwellers und einige Hilfsfunktionen erstreckte.
Walckerscher Spieltisch

Die Form  und Anordung der Tritte, des Rollschwellers und Balanciertritts entsprechen den der Firma Wilhelm Sauer aus dieser Schaffensperiode. Diese Firma war zum damaligen Zeitpunkt Eigentum der Firma Walcker und erstellte selber große Werke.
Rollschweller und Balanciertritt von Sauer FFO

Das relativ große Dorforgelwerk soll instandgesetzt und in den Zustand von 1912 zurückversetzt werden. Auf Kegelwindladen pneumatischer Steuerung stehen im ersten Manual die Kern und Hauptstimmen.
Spieltisch in der Spielschrankniesche

Im zweiten Manual, dem Schwellwerk befinden sich einige schwächere Stimmen, aber entgegen der damaligen Praxis keine Voix céleste sondern eine ausgeprägte Principalpyramide bis Superoktave 2'. Die Oktavkoppeln besonders die Superoktavkoppel II-I bewirkt ausgeprägteste brilliante Klangwirkungen.
Originale Winddruckangabe aus 1912

Zur Zeit ist das Werk ganz eingeschränkt spielbar. Im Turmraum befindet sich noch die originale "Walckersche Luftschleudermaschine" allerdings mit neuem DDR-elektroMotor. Das Innere ist äußerst beengt und schwer zugänglich. Der Winddruck beträgt 85mmWS. Rollschweller und Balancier sollte aus spieltechnischen Gründen erhalten bleiben, die Disposition sollte zurückgeführt werden, man kann hoffen, der Kirchenraum ist fertig, das Werk soll demnächst in Angriff genommen werden.

historische Windmaschine aus 1912!


Hier vorab schon die ersten Eindrücke einer seltenen spätromantischen Orgel. Ein Werk der Firma Walcker, selten anzutreffen  in unseren Breitengraden.
Rudersdorf.


EBERSDORF (Saalburg) E:F:WALCKER, opus 1766 aus 1913

Saalburg- Ebersdorf bei Bad Lobenstein.
Jugendstilgehäuse der Walckerorgel.

 

Hier in der Dorfkirche befindet sich ein kleines heute umdisponiertes Werk von der Orgelbauanstalt E.F:Walcker-Ludwigsburg. Die urpsprünglich spätromantische Disposition mit Schwellwerk, ausgebauter Superoktavkoppel und Suboktavkoppel besticht heute durch aliquotigen Klang, vor Kraft strotzend.

umdisponierte Registerstaffelei

Komplett spielbar und gut gepflegt versieht sie ihren Dienst und soll nicht in den Originalzustand zurückversetzt werden. Die Walckersche Kegelladenpneumatik arbeitet tadellos.
Walcker-Spieltisch von 1913
Der Balanciertritt ist in Form und Stil mit dem der großen elektropneumatischen Orgel in Rotterdamm op.1855 jetzt in Doesburg NL identisch.
pneumatische Kegelladen von unten


Dienstag, 1. März 2022

LODERSLEBEN E.F.Walcker 1910 , opus 1563

 Die nächste mitteldeutsche Walcker Orgel die fast original erhalten ist befindet sich in Lodersleben. 

 

Lodersleben

Das liegt bei Querfurt südlich von Halle/Saale gelegen. Auf dem kleinen Bauerndorf mit großer Schloßanlage wurde 1910 ein neues Instrument der renommierten Weltfirma Walcker in das Gehäuse der Vorgängerorgel eingebaut. Das Gehäuse stammt aus Zeiten um 1700. Das alte Werk scheinte in keiner Weise mehr musikalischen Ansprüchen zu genügen sonst würde man sich nicht zu einem Neubau entschieden haben. Die Emporen wurden etwas umgestaltet  und das vorhande Prospekt den neuen Gegebenheiten angepasst. Dort wo einst die Spielniesche sich befand, kann man wenn man die Türen öffnet auf Windladen und Pfeifen blicken. 

geöffnete Spielschranktüren

Der neue vollpneumatische Spieltisch mit "Wechselwind" (Abstrom auf Zustromprinzip) wurde seitlich angeordnet. Bei Dieser Orgel wurde auf ganz moderne Technik zurückgegriffen, fast schon eine Art Multiplexsystem. Die Pfeifen des Manual I, II und Pedal stehen fast alle auf einer kompakten Windlade.

Spieltisch

 Aus ganz wenigen kompletten Pfeifenreihen zauberten die Konstrukteure und Techniker der Firma Walcker ein großes Instrument. Viola di Gamba 8' ist gleichzeitig  Cello 8' im Pedal die Flöten 8' und 4' benutzen die selben Pfeifen (I+II.Manual.). Bourdon16' und Lieblich Gedackt 8' und Gedacktbass 16' hier ist´s genau das Selbe. Im zweiten Manual ist die Superoktavkoppel in allen Pfeifenreihen ausgebaut bis g4 , diese Pfeifen sind zusätzlich "aufgebänkt im Inneren der Orgel zu einer besseren Klangabstrahlung.

Pfeifenarrangement

Um die Pfeifen alle ausnützen zu können arbeitet ein ausgeklügeltes Transmissionssystem unter den Windladen zu den einzelnen Pfeifenreihen. Leider ist das Instrument noch Stumm, soll aber demnächst durchgreifend wiederhergestellt werden, eine Freude wenn es endlich spielt. Desweiteren befindet sich seit 1910 eine originale Walckersche Luftschleudermaschine unter der Treppe zur Orgel die das Instrument mit genügend Wind versorgt. Sogar der originale Electromotor ist noch aufmontiert und läuft tadellos und sollte so als technische Denkmalanlage übernommen werden.
Walckerscher Luftschleudermotor 1910

Das Instrument ist etwas umdisponiert, lässt sich aber problemlos in den Originalzustand zurück versetzen.

Dienstag, 14. Dezember 2021

GÖSCHITZ bei Schleiz, E.F. WALCKER, op.1617 Baujahr 1911

 Göschitz, nahe Schleiz, dort wo die berühmten Schleizer Dreiecksrennen stattfinden wurde 1911 ein Orgelwerk der Orgelbauanstalt Walcker im historischen Gehäuse aufgebaut, welches die Opus Nummer 1617 trägt. 

 

Göschitz, Orgelbauantalt Walcker 1911 opus 1617

Das alte Barockgehäuse wurde um seitliche Anbauten ergänzt und ist in den Füllungen durch Gitterwerk durchbrochen. Im historischen Teil des Prospekts sind auch in den kleinen Feldern Gitter zu finden, hier müssten zu alten Zeiten Pfeifen gestanden haben. Da aber die Prospektpfeifen nur teilweise angeschlossen sind und allemeist stumm, so war es einfacher die kleinen Felder ohne Pfeifen zu versehen, die eh nicht klingen. es beruhigt etwas das gesamte Ambiente und fällt nicht auf. Seitlich rechts in der Verbreiterung ist eine Geheimtür angebracht, hinter dieser konnte der Bälgetreter, der Kalkant seinen Arbeitsbereich betreten, sogar ein eigenes Lichfenster ist führ ihn vorgesehen.

 

Bälgetreterkammer

 In der Mitte ist der vollpneumatische Spieltisch installiert. Ein sogenannter "Wechselwind" Spieltisch. Die Impulse und Schaltungen basieren auf abströmenden Wind, am Ende aller Schaltungen ist ein Wandler-Relais angebracht von dort aus geht es mit Zustromtechnik über die Impulsleitungen zu den Windladen, Walckersche Kegelladen. Das Instrument ist noch original erhalten. Hier gilt es das bemerkenswerte Werk zu bewahren und zu restaurieren, es ist zur Zeit schier unspielbar, auch geschuldet das keiner darauf spielt. Es bedarf einer dringenden technischen Überholung. 

 

Spieltisch noch im Originalzustand

Spieltisch und Balg im Untergehäuse, dem Orgelfuß. In der ersten Etage die Windlade des ersten Manuales und in einem Schwellkasten, die Pfeifen des II.ten Manuales. Die Pedalwindlade steht quer an der linken Seite des Instrumentes. Durch Super und Suboktavkoppeln kitzelt man aus diesem Instrument einen monumentalen Klang hervor. Ich habe die Pfeifen nicht gezählt, aber bei Walcker&Co waren die Superoktavkoppeln meist ausgebaut, das kein Bruch im Klangefüge zu hören ist. 

 

Koppeln und Superkoppeln als freie Kombination

Das ganze System arbeitet mit 85 mm/WS. Sanftbass 16' wird eine Transmission vom Bordun 16' aus dem 1ten Man. sein. Das II:te Manual im Schweller, das kommen die tollsten Klangwirkungen heraus, Voix celéste 8' und Geigenprincipal 8'. Gamba und Salicional 8' auf I. leisten ihren Dienst auf I. in den 1930ern wurde eine Laukhuff Windmaschine angeschlossen die tadellos funktioniert! Es wird Zeit das dieses kleine bemerkenswerte unentdeckte Werk wieder zum Leben erweckt wird...und nicht elektronisch gespielt wird, da kann dieses richtige Instrument einfach viel zu viel!

Pfeifen im Schwellwerk.