Mittwoch, 29. April 2020

Zweimen bei Güntersdorf / Nova Eventis an der A9

In Zweimen steht op.197 aus dem Jahr 1898.
Zweimen
Das fast unspielbare Instrument wurde 2011 komplett saniert und erfreut Besucher, Gemeinde und Organisten gleichermaßen. Im neoromanisch eklektizistischem Gehäuse präsentiert sich das Orgelwerk in der Nische im Turmraum stehend.
in der Turmnische stehend
Dabei muß es einen relativ großen Innenraum füllen. Das Werk steht auf Registerkanzellen System Rühlmann, der ersten Generation.
Vorrelais erste Generation
Die Pneumatik fuktioniert präzise und die Klanglichkeit ist absolut warm rund und voller Würde. Vox celeste und die Flöten klingen sehr ansprechend und die Octave4 + Mixtur und Bordun16' geben sogar einen fast barocken Charackter. Dazu gesellt sich eine kräftige Gambe8' und die Principale erledigen den Rest. Der Prospekt wurde -so soll es sein - in Zinnlegierung neu ergänzt, nachdem er 1917 abgeliefert werden mußte.  Auf Facebook ist die Gemeinde erreichbar

Spieltisch Zweimen
https://www.facebook.com/St-Barbara-Kirche-Zweimen-668198693234998/

Mittwoch, 22. April 2020

Orgelbesuch in LISSA bei Delitzsch opus 159 aus 1894

Im letzten heissen Sommer 2019 wurde die Lissaer Rühlmann Orgel grundlegend saniert und präsentiert sich nach vielen stummen Jahrzehnten endlich wieder der Zuhörerschaft.
Lissa opus 159
Nach der Zeit des Kohlebergbaues um Bitterfeld kamen Risse zwischen Turm und Gebäude, das Gewölbe stürtzte teilweise herunter.
alte Aufnahme....als das Gewölbe defekt war

Pfeifenwerk weit vor der Restaurierung
Über die Jahre wurde saniert und nun endlich die Orgel wieder komplett spielbar der Gemeinde anvertraut. OBM Thomas Schildt aus Halle/S. zeigte hier sein Können speziell im restaurieren mit der Rühlmannschen Kastenlade...hier in Version II. zu erleben.
Pfeifenwerk nach der Restaurierung
Auf 2 Manualen stehen 10 hervorragend abgestufte Register zur Verfügung. Das Instrument steht im Turmraum unter einem gotischen Gewölbe hinter einem Gurtbogen, hier ist der Klang ganz präsent  und direkt, die Register klingen fast "Barock". Im Kirchenraum hingegen der unverkennbare Klang, warm, kraftvoll und elegant.
Gehäuse im Turmraum - unter Gewölbedecke.

Dienstag, 21. April 2020

RAMSIN opus 131 aus 1892

Unweit von Bitterfeld in Ramsin steht opus 131 von Rühlmann. Die kleine Orgel wurde spielbar hergerichtet und sogar der Prospekt wurde in Zinnlegierung ergänzt. Einfach herrlich, dieser Anblick.
Ramsin opus 131 - Totale.
Das schlichte Neoromanische Gehäuse mit einem kleinen Aufsatz wirkt im Raum, wurde von alter Elektrik befreit und erstrahlt erhaben von der Empore.
Das kleine Instrument besitzt keine Mixtur, ähnlich dem OEvre Ladegasts - nur 8' und 4' Stimmen prägen dieses Werk. Diese sind aber edel und elegant ausgeführt, sodas die Begleitung zur Gemeinde ja dadurch geradezu gegeben ist. Subbaß 16' und Principalbaß 8' runden in klassischer Rühlmann-Manier das Registerensemble ab. Ein Verdienst Rühlmanns selbst bei kleinen Instrumenten 2 vorhandene Pedalregister.
Spieltisch und neue Prospektpfeifen.
Das hat er wohl von dem Firmengründer und Vater Friedrich Rühlmann so mitbekommen, bei ihm sind diese Merkmale auch zu erkennen, er baute leider nur 6 bescheidene Werke,  ließ aber seine 2 Söhne (Wilhelm und Theodor) das selbe Handwerk erlernen.
Firmenschild im Detail.
Pneumatische Kastenladen der V1 Generation bestimmen die technische Seite incl des mechanisch-pneumatischen Spieltisches- ebenfalls in der technisch ersten Generation- es funktioniert!
Spieltischrückseite geöffnet: Mechanik im Übergang zur Pneumatik.

Montag, 20. April 2020

OEBISFELDE op.242 aus 1902

In der Katharinenkirche in Oebisfelde in der Nähe von Wolfsburg im ehemaligen Grenzgebiet der DDR steht Rühlmanns opus 242 aus dem Jahr 1902.
Oebisfelde opus 242
Klangprächtig spätromantisch original erhalten im farbigen Neorenaissance Gehäuse welches mit dem Instrument erbaut wurde.
20 verschiedene Register lassen Spielfreude aufkommen. Die Orgel ist gewartet und vollkommen einsatzfähig.
Spieltisch
Die Windladen sind in Registerkanzellen (Kegelladen) (System Rühlmann Version.I.) ausgeführt. Das 2te Manual kann mit Hilfe der Octavkoppel II-I (Oberoktav) und der Manualkoppel II-I die synthetischten Klänge von Hammondsound erzeugen, von ganz zart kraftvoll. Beginnend mit Salicional 8' und der Vox céleste 8'. Dazu die starken Stimmen des ersten Manuales-all das untersetzt die schmetternde Posaune 16'. Diese erreicht man über einen eigenen Stimmeingang am Gehäuse.
Eingang für Bälgetreter und Stimmgang zur Posaune
Die Impulsleitungen der Pneumatik sind noch in Messingrohr ausgeführt, später ging man zu Hartbleirohren über. Bei vergangenen Reparaturen wurde an einigen Stellen das Messing entfernt und mit mit Bleirohr ergänzt. Die Pneumatik funktioniert auch hier tadellos, präcis. Das wird erreicht indem unter der Hauptwerkslade links und rechts ein Vorrelais gekoppelt ist welches die Membranenleiste von 2 Seiten mit frischem Wind versorgt.
Pneumatik mit doppelten Vorrelais
Das wirkt auf den ersten Blick technisch zugebaut, was Wartungen erschwert, man ist damals nicht davon ausgegangen das man die Orgeln später mal restauriert sondern entfernt und durch neue ersetzt, das war der Zeitgeist. Später ging man aber zu mittig liegenden Relais über. Alles in Allem steht hier auch wieder ein Instrument ersten Ranges der deutschen Spätromantik für Reger, Karg-Elert und Straubeausgaben von Bachschen Orgelwerken. Liszt Rheinberger und Piutti lassen sich problemlos darstellen, genauso verhält es sich mit modernen Transkriptionen aus Film und Fernsehen.
Groß-Pedal. oben Labiale 16 und 8' und vorne Posaune16' mit Stimmgang.

Montag, 13. April 2020

PETERSRODA opus194 aus 1897

In Petersroda zwischen Bitterfeld und Delitzsch gelegen, kommt die 194te Orgel der Orgelbauanstalt Rühlmann zu stehen.
Petersroda op.194
Im Nadelholzgehäuse in Neorenaissance und Eklektizismus verpackt befinden sich 14 Register. Sie stehen auf modernen Registerkanzellen-Windladen nach System Rühlmann. (Kegelladen) Die Impulsleitungen sind noch elegant mit 90° Bögen in Messingrohr ausgeführt.
Petersroda, Pneumatik-Impulsleitungen an der Spieltischrückseite
Zu dieser Zeit changiert die Rühlmannsche Orgelbaufirma immer wieder zwischen Kastenlade und Registerkanzelle, die Systeme sind auch teils kombiniert eingesetzt, vorzufinden. Ein schönes Ensemble an Registern ist vorhanden - in den 1970ern wurde das noch spielbare Instrument verwüstet- aber es ist in allen Bereichen größtenteils vorhanden und harrt der Restaurierung, der Spieltisch und alle anderen technischen Komponenten sind komplett erhalten....
Op.194 Spieltisch
Voix céleste und die anderen Streicher und Flöten machen Lust auf mehr.....
Petersroda op.194 Balganlage.

Montag, 30. März 2020

Hoflieferanten-Orgeln des Herzogs von Anhalt-Zerbst

Nachdem im Jahr 1883 Wilhelm Rühlmann zum "Hoflieferanten" des Herzogs von Anhalt(Zerbst) ernannt wurde forderten die kleinen Landgemeinden, welche alle ihre, wenn überhaupt vorhanden Kapellen, durch kleine aber repräsentative Neubauten an Kirchgebäuden ersetzten, neue Instrumente, klangvoll und raumgreifend. Dem Zeitgeschmack entsprechend- auf technisch höchsten Stand. Warum nicht bei dem neuen Hoflieferanten des Landesvaters anfragen.
1881 goldene Medaille Industrieaustellung Halle

Rückseite der Medaille Halle,1881
Er lieferte mit seiner rapide wachsenden OrgelbauAnstalt ausgezeichnete Instrumente die durch Güte der Arbeit, des ausgewählten Materials und natürlich mit einem rund fülligen prächtigen Klang bestechen.
Es folgen Dörfer um die Stadt Zerbst, diese Instrumente sind alle sehr klein, genauso wie die Kirchen und die Gemeinden vorort, aber jedes Dorf wollte eine eigene Andachtsstätte und diese sollte schön und repräsentativ sein! Diese Instrumente wurden alle vor der Jahrhundertwende in das Herzogtum Anhalt geliefert und entstammen der mechanischen und frühpneumatischen Zeit bei Rühlmann.
Alle Orte sind versteckt und so klein und unbekannt das man echt suchen muß. Wir fangen an mit der Orgel für BONE erbaut im Jahr 1882 als opus 42. auf mechanischen Schleifladen stehen mixturlos 6 Register.
Bone  -  Orgel seitenspielig
In der romanischen Feldsteinkirche die damals saniert wurde, fügt sich das Instrument mit seinen typisch und einfachen Formen schlicht ein. Es ist seitenspielig, funktioniert tadellos und hat eine kraftvolle herbe Klangsprache.
mechanischer Spielschrank
Im nicht weit enfernten BONITZ wurde im selben Jahr eine Kirche mit Kreuzförmigen Grundriss aus Backstein erbaut.
Orgel in Bonitz, Positiv mit angehängtem Pedal.
ein kleines, pedalstimmenloses Instrument ähnlich einem Positiv mit angehängtem Pedal wurde installiert als opus 44 im Jahr 1882. Diese kleine Orgel fristet ein Schattendasein, ist ungepflegt, wird selten gespielt, funktioniert aber wenn man sie streichelt und klingt nach dem Erbauer...kräftig herb-mit nur 4 Stimmen-diese in sehr differenzierter Weise. Unser Weg führt weiter nach BORNUM -hier steht opus 81 aus dem Jahr 1886.
Bornum
Mit oft verwendeten neogotischem Gehäuseformen, schlicht und einfach fügt sie sich in den damals neuen Kirchenraum ein. 1963 wurde sie sogar umdisponiert - das Ergebnis kann sich aber dennoch hören lassen, obwohl diese Maßnahme nicht nötig war. (siehe Werben op.25) Sehr gepflegt und gut spielbar, zeigt das Instrument was es kann-nun mit neobarocker Disposition-allen Streichern beraubt! Die Spielfreude springt trotzdem auf den Spielenden über.
Spielschrank in Bornum, man erkennt die umdisponierten Registerzüge
Die Qualität der Gesamtanlage überzeugt ganz einfach. Im kleinen Ort LUSO , die Kirche ist die "Gesangbuchkirche" eine Masse an Gesangbüchern aus allen Zeiten ist hier versammelt, kommt die nächste Orgel von Rühlmann zu stehen. Opus 110 aus dem Jahr 1890! Eines der ersten pneumatischen Instrumente (ab op.85 wurde pneumatisch gebaut) auf der damals neuen Kastenlade kommen auch nur wenige Manualregister zum klingen. Der Subbass 16' steht auf seiner eigenen Lade.
Luso
Im einfachen neoromanischem Gehäuse mit 3 Flachfeldern mit Rundbögen besticht auch dieses Intrument-es sei denn man hat jemanden der Wind schöpft- mit einer prächtigen 8 Fuß Basis, kraftvoll und raumfüllend. Der Spieltisch hat runde Wangen und ist mit einem Rolldeckel verschlossen (op.106 - Schwemsal bei Bad Düben ist fast baugleich und soll restauriert werden)
Spieltisch in frühpneumatischer Ausführung und Rolldeckel
Hier kommt die frühe Pneumatik und die Kastenlade in der Variante I zur Nutzung. (Abstrompneumatik bis zum Spieltisch) Diese kleine Orgel lässt sich hervorragend spielen und ist präzise und dabei geräuscharm und pneumatisch-ein einmaliges Spielgefühl. Wir fahren einen Bogen und landen in JÜTRICHAU zwischen Zerbst und Dessau gelegen. Auch hier eine neue Kirche mit neuem Instrument.
Jütrichau, kleine Dorforgel
Gewartet, spielfähig, freundlich und freut sich das sie benutzt wird-auch wenn sie nur ganz klein ist. Ein einfaches Holzsichtiges Gehäuse im Neoromanischem Stil, dahinter auf pneumatischen Kastenladen der Version I - 4 Manual und 1 Pedalregister. Tadelloser Anschlag und Repetition zeugen davon, das die Pneumatik bei diesen ersten Instrumenten schon total ausgereift war.
Original erhaltene Kalkantenglocke in Jütrichau
Es macht einfach Spass und Freude auf den kleinen Instrumenten zu spielen, auch wenn man eingeschränkt ist. Wir nähern uns der Elbe bei Aken, der nächste Ort ist BIAS - hier steht opus 160 aus dem Jahr 1894!
Bias, Orgel im Kirchenraum
Die Kirche wirkt schon etwas größer, auch das Instrument, welches original erhalten ist wurde größer disponiert. Kraftvoller Orgelton im Raum, dazu eine Rauschquinte 2fach die über den 8' Füßen strahlt, der Salicional ersetzt die etwas stärkere Gambe und bringt Farbe in die wenigen Register. Auch diese Orgel ist top gepflegt und möchte gespielt werden.
Spieltisch in Bias
Auch hier pneumatische Kastenlade nach Version I. Funktioniert und repetiert tadellos! Herrlichste Klänge aus den kleinsten Instrumenten-das zeigt diese Auswahl aus kleinsten Orgeln.
Auslassventile und Hilfsmembranen der Kastenlade Version I in Bias
Am Schluß der Orgelfahrt kommen wir nocheimal zurück zu einem frühen pneumatischem Opus , der 119ten Orgel aus dem Jahr 1891 am Elbübergang nach Aken, in Steutz! Steutz hat eine herrliche romanische Kirche die damals erweitert wurde und auch eine großzügige neue Orgel wurde hier installiert.
Steutz/Elbe, größere Dorforgel
Auf II Manualen stehen absolut klangschön zueinander die schönsten Register zur Verfügung. Gamba 8' krächst auf I ordentlich, das Salicional 8' auf II ist fast gleichstark nur anderer Intensität. Die Principale auf I und II korrespondieren miteinander und ergänzen sich, der Geigenprincipal 8' (II) hat Kraft und Würde im Ton. Die Mixtur 3 -4 fach ist mild gehalten, sie rundet das Klangspektrum ab ohne zu schreien hat aber auch Kraft und Gravität, zu dieser Zeit wurde die Mixtur als 2' und 2-2/3' gebaut, Sie strahlt noch regelrecht...später um 1910 wurden bei kleinen Orgeln Mixturen mit 5-1/3' eingesetzt, diese klingen dramatisch im Klang-sie nehmen Bezug auf den Bordun16' und spielen sich als Zeuger des Vollen Werkes auf-man denkt man hat eine Kathedralorgel vor sich und es sind vielleicht nur 12 Register  -das sollte damit erzeugt werden, die schönsten differenzierten Stimmen in 8' und darauf das volle Programm- Oktave 4' und Mixtur 4 fach 5-1/3'.
Spieltisch in Steutz
Aber hier in Steutz ist noch die strahlende milde Variante zu hören., auf pneumatischen Kastenladen der ersten Generation, tadellos funktionierend, lediglich wird die Orgel zu wenig gespielt-es hängen ein paar Töne, aber durch clustern* und die daraus entstehenden Luftschwankungen stellen sich diese wieder ein, ein tolles Instrument mit herrlichsten orchestralen Klängen!
frühe Pneumatik in Steutz. (überarbeitet)

Freitag, 20. März 2020

GERBITZ op.98 aus 1889

Gerbitz unweit von Bernburg. Hier wurde in die neuerbaute Kirche aus rotem Backstein die mittlerweile ein neues Dach hat und eine Ausstellung im Turm beherbergt, ein neues Orgelwerk installiert.
Gerbitz op.98
All das im Jahr 1889 mit der damals neuesten Technik, der Röhrenpneumatik, welche beim Besten auf diesem Gebiete bestellt wurde. Rühlmann mit seinen wackeren Genossen erschufen für die neue kleine Dorfkirche die 98te Orgel die die Anstalt verließ. Eine Voix céleste fehlt leider noch im Registeroevre, diese wurde erst ein paar Jahre später zum Standard. Das Orgelwerk ist das 18te pneumatische Instrument was auf der mitAbstromprincip basierenden Kastenlade (in Kooperation mit Ernst Röver/Hausneindorf) beruht.>Rühlmann Pneumatik System Version I.
Spieltisch- Firmenschild ist geklaut.
Momentan ist die Orgel nicht spielbar , ist aber in allen Teilen komplett und original erhalten was einer Restauration eines der ersten pneumatisch gesteuerten Instrumente als Alleinstellungsmerkmal zugute kommt! Manual I und Pedal stehen chromatisch hintereinander, darüber ist quer das II.Man. aufgebänkt.
Windlade II. Manual
Die eleganten Messing-Impulsleitungen (Röhrenpneumatic) zeugen bis hin zum Spieltisch der auch in Abstromtechnik ausgeführt ist, von einer, den höchsten Ansprüchen arbeitenden Firma-auf höchstem Niveau technisch und klanglich nur Goldmedaille-prämierte Qualität abzulieferte! Die sonderbare Windanlage aus Magazinbalg mit 2 darunter liegenden Schöpfern und darüber liegenden Keilbalg ist ebenso erhalten. Darauf gehen wir noch gesondert ein.
Windanlage.
Es wird eine Freude sein wenn das Werk wieder erklingt....momentan ist es durch frühere Nässe Dreck und keiner Pflege- fast unspielbar.

Dienstag, 17. März 2020

Opus 199 in ALTEN bei Dessau aus 1898!

Im damaligen Vorort Alten heute Dessau-Alten wurde eine neue Dorfkirche erbaut, hier wurde wie immer ein neues Orgelwerk gefordert. Bestellt in Zörbig bei Rühlmann. Geliefert als opus 199 steht es vor der Fensterrosette der im neoromanischen Stil im Grundriss eines griechischen Kreuzes errichteten Kirche.
opus 199 Schauseite
Im inneren Besticht das Bauwerk durch reiche Ausmalung besonders im Altarraum.
Altarraum
Die Orgel wirkt erhaben, und ist in C und Cis Seite mit 2 Seitentürmen vor das Fenster gesetzt. Auf pneumatischen Kastenladen mit Zustromtechnik (Version2 ) steht hinter dem klingenden Prospekt, der leider immer noch in Zinkersatz erhalten ist, die Pfeifen der beiden Manuale. Die Windlade ist als "Zwillingslade" erbaut. Manual I wird vorn angesteuert und Manual II rückseitig. Die Vorrelais sind mit schallisolierenden Schutzleisten versehen, alle anderen Steuerungsorgane liegen im inneren der Kanzelle.
Vor-Relais mit Schallschutzleisten
Das Pedal steht chromatisch ebenerdig dahinter. Klanglich wieder interessant ist die Komposition an Registern und deren Aufbau. Die Gamba 8' fehlt in der gesamten Orgel. Hohlflöte und Doppelflöte 8' starten auf I, gefolgt von Lieblich Gedackt 8' einem zarten Dolce 8' und Salicional 8' welches kräftigt streicht.Wenn die Principale 8+4 auf I gezogen sind kommen Flauto amabile 4' und die scharfe Fugara 4' hinzu. Jetzt kommt der Auftritt der "Octavcoppel" der Oberoktavkoppel II-I. Die scharf streichende Fugara hat soviele Obertöne das man denkt man spielt schon mit einer Mixtur 3 fach! Eine extreme Klangerfahrung. jetzt kommt der immer bezaubernde Bordun 16' hinzu der dem Ganzem Fülle und Wärme gibt. Eine große HammondOrgel:-) dann endlich kommt die 3fache Mixtur - die so mild ist und auch so erbaut: 2 konische Gemshorn-Chöre und ein zylindrischer Principal 2' und das alles auf 82mm Wassersäule -Winddruck. 
Durchblick zur Orgel
Restauriert wurde das ganze Instrument von Christian Scheffler-Sieversdorf in den 1990ern. Mehr auf der Hausseite der Gemeinde:
 www.melanchthon-kirche.dessau.de

Montag, 16. März 2020

HECKLINGEN op.59 aus 1884

Hecklingen bei Staßfurt. In der ehemaligen Klosterkirche St.Georg und St.Pancratius - eine romanische Pfeilerbasilika mit eines der besterhaltensten Reliefplastiken der ausgehenden Romanik, dem Engelszyklus- überarbeitet und zusätzlich ausgemalt im neobyzantinischem Styl. vergl. Wartburg-Sängersaal; Neuschwanstein: Thronsaal und Sängersaal.
Aber dazu mehr auf:  www.basilika-hecklingen.de/
und https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Hecklingen
Hecklingen opus 59

Nun zur Orgel, einem Werk der Orgelbau-Anstalt von Wilhelm Rühlmann aus dem Jahr 1884. Vor dem Rosettenfenster auf der ehemaligen Fürstenloge kommt das nur zweimanualige Instrument zu stehen. Von dort hat es den gewaltigen Kirchenraum der Basilika zu füllen. Der offene in C und Cis-Seite geteilte Prospekt fast schon katholisch wirkend, begünstigt mit dem Gewölbe darüber eine perfekte Klangabstrahlung. Ausgeliefert als opus 59 im Jahr 1884. Zu der Zeit war Rühlmann mit seinen wackeren Orgelbauern gerade in sein neu erbautes Anstaltsgebäude vor den Toren der Stadt Zörbigs umgezogen. Auf noch klassisch mechanischen Schleifladen und Tonkanzellen findet man ein kraftvoll aber ohne Aliquoten besetztes II. Manual welches auf füllende Grundstimmen ausgelegt ist. Dazu auf I. der klassische Principalchor 8'-4- 2.2/3'-2' und die hier noch strahlende Mixtur 4fach in 2'. Dazu ein grundtönig raumfüllender Bordun 16' und warme Flöten unterschiedlichster Couleur Hohlflöte 8' Rohrflöte 4' Flauto traverso 8' (II) Flauto amabile 4' (II) ergänzt durch Gedackte in 8'. Dazu gesellen sich die obertonlastige Viola di Gamba 8' (I) und auf II der kräftige Salicional 8' und das elegante Gemshorn 4' hinzu. Die  wiederergänzte Trompete 8' gibt einen kräftig schmetternden Glanz der mit der bollernden Posaune 16' im Pedal das volle Werk im Gesamtklang abrundet und den Raum flutet durch Kraft und Erhabenheit der mittleren Schaffensperiode der Orgelbau-Anstalt.
Registerstaffelei I.Man. Sperrventile
Im ersten Manual ist die komplette klassische Register-Batterie vertreten. Ein noch hochromantisches Instrument auf der Vorstufe zur Spätromantik.
Spielschrank in Concertstimmung
Wo man sich 3 Manuale wünscht trägt das Instrument und der Raum der Basilika dazu bei das auch die kleinere II manualige mit 22 Registern ausgestattete Orgel alles kann und keine Wünsche übrig lässt. Sperrventile für alle Werke sind zusätzlich vorhanden und lassen ggf schnelles umregistrieren auf das Volle Werk oder anderes herum zu. Ein in Kiefernholz angelegtes Gehäuse mit den aufgesetzten Kreuzen auf den beiden Dreiecksgiebeln wirkt erhaben, der Kirche angemessen und spiegelt die Würde des historischen Raumes zurückhaltend wieder.
Spielschrank frontal