Dienstag, 11. August 2020

WILDENHAIN op.407 aus 1923

Wildenhain op.407 1923
In Wildenhain bei Torgau steht op.407  aus 1923 von Rühlmann, orgelbewegt und dennoch der Spätromantik behaftet.
Spieltisch

Ein kleines Werk, welches klanglich überzeugt, Werkcharackter aufzeigt. Die Suboktavkoppel II-I bringt Fülle und Gravität in den Raum da die leisen Stimmen des II. Manuales optimal als 16' fungieren.


Pneumatik am geöffneten Spieltisch rückseitig

Spieltischrückseite

Das Gehäuse entstammt der Vorgängerorgel, wahrscheinlich Geißler, darüber fehlen leider noch die Quellen.

Die Windladen sind durchweg als pneumatische Registerkanzelle ausgeführt. Die Streicher sind scharf und obertonreich, die Flöten rund und fröhlich... die Principale passen sich dem Ganzen an und bilden die Hauptstimmen  und blasen ordentlich dazwischen.

Pedal Cello 8'
Es wird Zeit das diese kleine Orgel restauriert wird.... mannigfaltige Spielkombinationen und vor allem Spielfreude vermittelt dieses orgelbewegte Werk. Wenn es den renoviert würde.
II. Manual steht hinter dem Prospekt zur besseren Klangabstrahlung

Freitag, 7. August 2020

DORNITZ op.7 aus 1866 das erste Werk Wilhelm Rühlmann´s

Nachdem Vater und Firmengründer Friedrich Wilhelm Rühlmann von 1842-1866 nur 6 kleine Instrumente erbaute, wohl auch der damaligen schweren Zeit geschuldet, übernahm der erstgeborene Sohn Wilhelm der bei dem Vater die Lehre zum Orgelbauer durchlaufen hatte und anschließend noch weitere Jahre bei Friedrich Ladegast arbeitete, die kleine Firma.
Inschrift auf der Rückseite des Notenpults

Dort absolvierte er auch seine Meisterausbildung und wurde nachdem der Vater gesundheitlich immer angeschlagener war "heimberufen" um das väterliche Geschäft zu übernehmen. 1866 entstand so seine erste Orgel für die Dorfkirche in Dornitz bei Löbejün. (nördlich von Halle/Saale)

Ganz bescheiden aber dem Stil des Vaters folgend, das prägte den ganzen Lauf der späteren Orgelbaufirma. Selbst bei wenigen Manualregistern 16' und 8' im Pedal. Qualitätvoller Tastenbelag, hervorragende Holzbeschaffenheit und peinlich genaue Verarbeitung dazu edle Registerzüge mit edel beschrifteten Porzellanplatten zeigen schon beim ersten Instrument den hohen Anspruch.

Spielschrank
 Die Ausgewogenheit der Register, die helle Mixtur....die im Laufe der späteren Jahre immer dunkler und tiefer und dadurch dramatischer klingt zeigt sich hier. Hervorragend abgestufte Flöten. Dazu die Prinzipale die genauso aufeinander abgestuft anzutreffen sind, färbend hierzu die Viola di Gamba 8' mit edlem Strich noch nicht zu vergleichen was nach 1900 erbaut wurde. Das volle Werk braust wie man es bei Rühlmann immer antrifft- kraftvoll sonor aber klar durchhörbar da die Principalpyramide 8'-4'-2' Mixtur1 1/3' komplett ausgebaut ist. Auch die Balganlage lässt noch alte Schule erkennen, 2 übereinanderliegende Keilbälge, das sollte sich alles, besonders nach dem Besuch bei Aristide Cavaille-Coll in Paris grundlegend ändern.
restaurierte Keilbalganlage

Magazinbälge, Ausgleicher und Stoßfänger bestimmen immer mehr das Bild der Orgelanlagen. Dazu überblasende Flöten und immer ausgefallenere Streicher und Schwellwerke. Aber das ist bei diesem Erstlingswerk noch Zukunftsmusik. Ein tolles beeindruckendes und besonders liebevoll restauriertes kleines Instrument versteckt in Dornitz! 

Dienstag, 28. Juli 2020

RATHMANNSDORF op.49 aus 1883

In Rathmannsdorf nahe Stassfurt steht Op. 49 aus dem Jahr 1883.

Dieses Jahr restauriert und endlich wieder spielbar gemacht.

Auf mechanischen Schleifladen sind II Manuale und Pedal aufgebaut. Das Gehäuse wirkt schon jugendstilig ist aber der Gotik und Romanik behaftet und wurde farblich mit restauriert.... Auf dem II. Manual wurden durch Rühlmann um 1910  pneumatisch 2 zusätzliche Stimmen incl Schwellkasten hinzugefügt : Dolce 8' und Voix céleste 8' .
Der Zinkprospekt  der Nachkriegszeit wurde beibehalten. Durch diese Restaurierung wurde ein weiteres Werk Rühlmanns der frühen Schaffensperiode gerettet und der Öffentlichkeit presentiert!
 Wie immer begegnet uns eine hochqualitative Fertigung von allen Einzelteilen, überlegene Technik, planvoller Innerer Aufbau, und hier im Bild metallene Schwerter zur Schleifenbetätigung.

Montag, 20. Juli 2020

BAD DÜBEN op.294 aus 1907.

St. Nikolai Bad Düben. Hier steht Rühlmanns 294te Orgel aus dem Jahr 1907!
Das Gehäuse lässt eine viel ältere Orgel vermuten, das war auch so und zwar ein beachtliches Werk aus 1819 des regionalen Orgelbaumeisters Johann Carl Friedrich LOCHMANN aus Delitzsch der Lehrmeister so manchen späteren Orgelbaumeisters war, Carl F. Löwe Delitzsch,  Wilhelm Baer-Niemegk; CF.Friedrich -Nürnberg uvm. war. Bei gelegtentlichen Renovierungsarbeiten in der Kirche zu Bad Düben würde auch das alte damals unmoderne Instrument mit schwergängigen Schleifladen und mechanischer Traktur beanstandet und man besorgte Mittel für einen Neubau. 1907 stellte die Firma Rühlmann ein modernes mit leicht spielbaren pneumatischen Registerkanzellen gesteuertes, sicher auch durch einen begrenzten Kostenrahmen etwas gering disponiertes, Instrument in das vorhandene Gehäuse auf.
Die zusammengestrichene Disposition verrät es, keine Trompete8' im I.Man. dafür Clarinette8' und eine Harmonia aetherea 3 fach im II. Man. Oboe8' entfällt genau wie die kleinere Mixtur 3f. auf II. Das Pedal ist sparsam besetzt, ohne Schnörkel. Harmonikabaß 16' oder ein 16' Principal fehlen. (So ging es auch in Jüterbog op300 und in Pressel op.321 zu, geringes Budget, die größer angebotene Orgel wurde zugunsten des Preises verkleinert.) Posaune 16' aus Nadelholz wurde aufgestellt.
In den 30/50er Jahren wurde das Instrument grundlegend umdisponiert und barockisiert. Am Ende der DDR Zeit war es gar nicht mehr spielbar und erlitt zusätzlich noch einen Wasserschaden. 2008/2009 wurde das Werk durch C. Scheffler - Sieversdorf in den Originalzustand zurückversetzt. Klanglich vermutet man hier eine W.Sauer Orgel aus dieser Zeit. Der etwas schroffe und mit Ecken und Kanten versehene Rühlmann Klang dieser Epoche weicht davon etwas ab. Einfach mal Referenzinstrumente anhören und vergleichen. 
Der große III-manualige Spieltisch besitzt eines der wenigen erhaltenen Crescendo-Hebel für den Registranten incl dem Rollschweller und den Pantoffel-Schwelltritt zum III. Manual. Der derzeitige Organist der Stadtkirche weiss auf eigentümliche Weise das Instrument in Gottesdiensten und Konzerten einzusetzen, die Orgel erklingt regelmäßig am letzten Tag des Monats 19 Uhr zum Innehalten -"Fermate" Konzertreihe mit den unterschiedlichsten Künstlern aller Genres. Beachtenswert!

Freitag, 19. Juni 2020

KLEINALSLEBEN op.158 aus 1894.

In Kleinalsleben wurde um 1890 die alte kleine Kirche abgebrochen,
Kleinalsleben opus 158
der überaus beeindruckende historische Altar und die Orgel wurden in ein neuen Baukorpus integriert, dieser mit herrausragenden Jugendstilornamentiken und Darstellungen der 4 Evangelisten in einer beeindruckenden Weise.
Jugendstilornamentik
Barockprospekt der Vorgängerorgel
Bei der Orgel mußte etwas neues her, orchestral und nicht so schrill und klapperig wie die Alte aus vergangenen Zeiten... Die Zörbiger Orgelbauanstalt wurde mit einem Neubau beauftragt-im historischen Gehäuse. Am Gehäuse ist das anhaltinische Wappen groß dargestellt.
Detail mit anhaltinischen Wappen.
Im Inneren präsentieren sich pneumatische Kastenladen. Das Manual I als Hauptwerk ist klassisch besetzt.Im II.Manual finden wir eine seltene "Fernflöte 8' " dann die Standards... Voix céleste fehlt, dafür tritt eine durchschlagende Oboe 8' auf-eine herrliche Komposition.
duchschlagende Oboe 8' auf II. Manual
Das Werk ist momentan unspielbar -Kirche soll aufgegeben werden.....was es alles gibt. Dabei ist hier mit Barock Jugendstil und Orgel der größte Schatz für Besucher vorhanden. Das Instrument steht unverändert da und wartet das es aus dem Dornröschenschlaf geweckt wird.

Sonntag, 14. Juni 2020

BADERSLEBEN op.181 aus 1896

Frisch restauriert und original erhalten erklingt die Orgel in der katholischen Kirche in Badersleben nahe der Huysburg.
Badersleben opus 181
Auf pneumatischen Kastenladen kommen 20 außergewöhnliche Register zu stehen. Ergänzt im ersten Manual durch eine schmetternde Trompete 8' und im Pedal Posaune 16'. Auf die tollen und besonders gut nachintonierten Einzelstimmen muß man gar nicht eingehen....höchste Qualität-höchste Ansprüche an Material, Verarbeitung und Funktionsweise der pneumatischen Traktur der Erbauerfirma wurden durch Jost Trustmann tadellos saniert!
restaurierter Spieltisch
Im einfachen klassizistischen Rundbogengehäuse auf der II.Empore befindet sich das Werk und sieht von unten sehr unscheinbar aus, Eine alte "Ventus" Windmaschine versorgt die Orgel seit den 1930ern geräuschlos mit ausreichend Wind. Vom zartesten Pianissimo bis hin zum berauschenden Vollen Werk durchströhmt es die über eine herrausragende Akustik verfügende Kirche St.Peter&Paul. Hut ab - eine tolle Restaurierung, ein beeindruckendes Instrument der Frühperiode der Pneumatik der Orgelbauanstalt Wilhelm Rühlmann-Zörbig.
totale Innenansicht Badersleben

Sonntag, 31. Mai 2020

GLIENECKE bei Genthin op. 348 aus 1912

In Glienecke steht opus 348 aus 1912.

Glienecke op.348
In einem einfachen geradlinigen Gehäuse welches Reliefschnitzereien in mittelalterlicher Technologie beherbergt befinden sich nur 8 Register- und diese in kraftvoller spätromantischer Pracht.
Reliefschnitzerei
Auf dem ersten Manual befinden sich neben der Hohlflöte8' der Principalchor 8'-4' und Rauschquinte 2 fach. Auf dem zweiten Manual Lieblich Gedackt8' die scharfe Gambe8' und die brilliante Flauto amabilé4'. Subbass ist auf dem Pedal disponiert. Chefintonateur Eule formte die Stimmen so heraus, das alle einzelnen als Solostimmen agieren können, addiert zu einem riesig klingenden Ganzem. Die Windladen sind in Registerkanzellen ausgeführt nach hauseigener Bauweise.
Glienecke Spieltisch
Der riesige Stoßfänger im Untergehäuse der Orgel mildert der die großen Schwankungen ab, den Rest besorgen die kleinen Ausgleicher auf den Manualwindladen.

Hauptausgleichsbalg
Der Magazinbalg steht im Turmraum hinter der Orgel. Zum Vororttermin war die Orgel nicht spielbar, durch Vandalismus beschädigt und mutwillig zerstört. Die Schauseite provisorisch hergerichtet mit Pfeifen aus dem Inneren. Mit wenig Mitteln würde sich eine Spielbarmachung hier lohnen, mit ergänzen der fehlenden Pfeifen. Dann wäre ein weiteres klangprächtiges Instrument der Firma Rühlmann gerettet und könnte die Menschen im Umkreis mit ihrem vollen Klang erfreuen. Frische Principale scharfe Streicher, runde Flöten.  Das Modernste was es damals gab.
op.348 Wirkung im Raum

Mittwoch, 13. Mai 2020

SCHERNEBECK bei Tangerhütte op.188 aus 1897

Im kleinen Schernebeck nahe Tangerhütte (30km nördlich Magdeburgs) wurde 1896/1897 Großes geleistet- das kleine Dorf leistete sich anstatt der alten Feldsteinkirche einen repräsentativen Neubau. In diesem Zuge wurde auch eine entsprechend große Orgel angeschafft -  eine der nördlichsten -  die die Orgelbauanstalt W.Rühlmann,Zörbig lieferte!
Schernebeck op.188 - 1897
Für den relativ kleinen Kirchenraum ist das Instrument reich bestückt an Registern. Eine wahre Klangpracht enfaltete sich - leider wurde es durch Vadalismus beschädigt. Aber nicht hoffnungslos, in allen Teilen vorhanden, es fehlen einige Pfeifen die man rekonstruieren kann, dazu die Schauseite - die 1917 beraube Front der Orgel. Diese sollte eh´ in Zinnlegierung ergänzt werden sobald die Restaurierung stattfindet. Der innere Aufbau ist wie immer interessant: Im Untergehäuse sind Spieltisch, Magazinbalg und an der Rückwand die Pedalwindlade angeordnet.
Manual I und Unterseite II.Manual mit Impulsleitungen
Darüber die des Manual I. Diese ist einfach chromatisch verlaufend. Darüber quer zum Prospekt steht die Windlade des II.Manuales. Diese ist ebenfalls einfach chromatisch erbaut.  Alle Windladen sind als "Kastenladen" ausgeführt, hier schon Version II mit Zustromtechnologie und Impulsleitungen in Messingrohrausführung. Hinter der Orgel eine Etage höher auf dem Turmboden steht die Windanlage mit 2 Schöpfern und einem großen Regulatorbalg, von dort wird der Magazinbalg im Inneren der Orgel gefüllt. Kräfteschonend, und mit riesigen Windkanälen wird für ausreichend Nachschub gesorgt. Eine ausgeglügelte Disposition und Intonation (Klangdesign) die "höchste künstlerische Ansprüche befriedigt" zeugen von der Überlegenheit der Anlage. Auf dem I. Manual sind 2 kräftige Flöten, Hohl- und Doppelflöte8', die Gegenspieler zu Principal8' der wiederum obertonreich geklärt wird durch eine schneidende Gambe8'. Octave4' und Flauto harmonique4' geben einen zarten und schroffen 4'Fuß. Dazu warm füllend der Bordun16' der sich auch den zarten Stimmen aus Manual II anpasst und stützt. Mixtur 3fach bringt "Glanz und Kraft-ohne zu schreien"
Spieltisch
Auf dem II.Manual wird es solistisch aber nicht weniger kraftvoll zu. Lieblich Gedact8' und das zarte Dolce8' erheben die schwächsten Herzen andächtig. Salicional8' und Vox celeste8' gehen zusammen und schweben schon kraftvoll über den beiden soften Registern immer hörbar in allen Registrierungen der 8' Lage. Geigenprincipal8' gibt Farbe, Kraft und bläst ordentlich ähnlich der Hörner im Orchester. Die mit sonderbaren Obertönen behaftete Rohrflöte4' klärt das Ganze und bringt Durchhörbarkeit. Subbass und Violon16' fegen die Empore mit langwelligen Schwingungen dazu Gedact-und Principalbass8'. Ein großes orchestrales Instrument im vollen Werk.
( "..." Zitate von Rühlmann in Kostenvoranschlägen/Werbekatalog)
Kollektivdrücker mit festen Kombinationen sind Hilfen für den Organisten. Hier ist soviel Energie und Klangschönheit gebunden das keine Oktavkoppel von Nöten ist. Leider noch unspielbar. Das massive holzsichtige Gehäuse mit 3 Rundbögenarkaden die von gotischen Maßwerkranken filigran gerahmt werden geben dem Raum eine Eleganz und Erhabenheit- und passen schlußendlich auch zum Klangkonzept: Im Wald nach einem Regenguß, Sonne scheint und das Moos ist ganz weich-es dampft- dazu Duft von frisch geschlagenem Holz und das Geschrei der Vögel- so hören sich die Instrumente in etwa an. Hoffentlich wird bald die Restaurierung beginnen und einige Förderstellen auf diesen Ort aufmerksam! So ein tolles Instrument.
Gehäuse noch ohne Pfeifen- Rundbögen und Rankenwerk

Dienstag, 12. Mai 2020

Aula Orgel im STEPHANEUM in ASCHERSLEBEN op.415

AD 1325. Auf dieses Jahr geht die älteste Schule Ascherslebens zurück. Das Stephaneum. Realgymnasium- heute Gymnasium und Europaschule. 1926 wurde im Rahmen einer Umgestaltung der Aula eine kleine Orgel angeschafft- opus 415 von Wilhelm Rühlmann-Zörbig.
op.415 aus 1926 im Stephaneum Aschersleben.
Disponiert wurde ohne Mixtur: Manual I: Hohlflöte 8' Principal 8' Octave 4' Manual II: Aeoline 8' Lieblich Gedackt 8' Rohrflöte 8' Flûte harmonique 4' Pedal: Subbass 16'. Ganz klassisch und noch der Tradition der Epoche der Spätromantik zugewandt. Die Aeoline wurde leider abgeschnitten und zu einem 1' kastriert, das lässt sich aber rückgängig gestalten. Der große Raum und die gering disponierte Orgel mußten zusammenkommen. Dazu behalf man sich in Zörbig der Spielhilfen. Suboktavkoppel II-I, Superoktavkoppel II-I , diese Beiden wirken durch die Pedalkoppel I mit auf das Pedalspiel. durch diese Mittel kommt man auf eine Orgelgröße von II-8 auf II-24! Die dadurch entstehenden 16' füllen den großen Raum und geben Wärme, die Superoktavkoppel verleiht mit den jetzt in 4' und 2' klingenden Stimmen Glanz und Würde und macht das Pedalspiel durchhörbarer.
Spieltisch.
Interessant ist auch hier wie bei Instrumenten um 1900 der Einsatz zweier Windladensysteme in einem Instrument. Der Sohn macht es genauso wie der Vater : I-Manual Registerkanzellen (sog.Kegelladen-sind aber Scheibenventile!!!Es sind eben keine Kegel, ich wehre mich dagegen. ). Das zweite Manual auf den damals modernen Taschenladen (Witzig´s Taschenlade mit stehenden Taschenvetilen) Das Werk ist spielbar repariert - wartet aber durch die winterliche Heizperiode mit einigen Fehlern auf - was aber zu Regulieren wäre. Das Gehäuse ist in schlichter Eleganz der Architektur der 20er Jahre angepasst, 2 massive runde Ecktürme die sogar "um die Ecke" laufende Pfeifenfelder beherbergen und ein dreigliedriges flaches Mittelfeld, alles in ansprechender Farbgebung- geben Zeugnis ab, was in schwerer Zeit (1926) möglich war. Alle Prospektpfeifen haben Überlänge und ragen über den Obergesims heraus.
um die Ecke laufende Pfeifen mit Überlänge
Architektonisch sehr interessant und ansprechend in den neoklassizistischen Raum hineinkomponiert wurde das Orgelgehäuse welches den Raum nicht dominiert, es richtet ihn aus und bildet das Zentrum des Geschehens.
Gesamtansicht der Aula
Das Instrument reiht sich in einer Reihe von sogar relativ großen Saal-Orgeln ein, die die Orgelbauanstalt an Schulen geliefert hat:
Eisleben op.308,331 II-11;
Erfurt op.421 Oberrealschule II-21;
Halle Saale: op.363 Saal franckesche Stiftungen II-18;
op.288 Aula der Latina II-11;
 op.426 Stadtgymnasium II-22;
Magdeburg op.238 KönigWilhelmgymnasium II-15,
Augustaschule op.243 II-21;
Bismarckschule op.346 II-20;
Realgymnasium op.395 II-18.

Freitag, 8. Mai 2020

MOCHERWITZ bei Krostitz op.258 aus 1904

In der kleinen romanische Feldsteinkirche die auf das 11 Jhd zurückgeht befindet sich die 258te Orgel aus Zörbig!
Mocherwitz heute.
In früheren Zeiten wurde das Gebäude vergrößert und immer wieder verändert. 1904 wurde der Innenraum erneut angepasst, eine neue Orgel sollte her. Rühlmann lieferte sie als op.258 und verwendetete das edle Barockgehäuse welches 1721 erbaut wurde wieder, ergänzte und erweiterte es. Noch unklar ist, welcher Orgelbauer damals dieses kleine Werk angefertigt hat.
der kleine Spieltisch, geplündert.
Eins ist sicher Rühlmann baute eine ganz kleine Orgel auf einem Manual und Pedal, die Windladen sind  Kastenladen. Disponiert wurde ohne Klangkrone: Gedackt8' Hohlflöte8' Principal8' Salicional8' Octave4' auf dem Pedal Subbass 16'.
Pfeifenwerk von Rühlmann 1904, Zustand 2020
Das kleine Instrument ist momentan unspielbar, würde aber spielen wenn die Windversorgung repariert würde, technisch liegt alles im Inneren der Windladen. Bis auf wenige Pfeifen und einige Hubmembranen ist Alles vorhanden.....
pneumatische Kastenlade 1904, incl Ausgleichsbalg
Das edle Gehäuse aus 1721 hat einige Schleierbretter und Zierleisten eingebüßt, das ist aber erst zu DDR Zeiten passiert- Rühlmann ergänzte immer gut und elegant mit seiner Spezialabteilung "Gehäusebau"  in seiner Firma. Es ist eine Photomontage von mir angefügt welche den ursprünglichen Prospekt zeigt.
Photomontage, ergänzte Schleierbretter
Farblich sind alle kupfergrünen Ranken vergoldet gewesen, im Mittelturm leuchtet die Sonne mit einen strahlenden Gesicht, wahrscheinlich der Zimbelstern der Barockorgel vergangener Zeiten. Farblich war alles sicher etwas anders gestaltet...aber auch hier, Alles ist erhalten und harrt der Wiederherstellung.
Sonnengesicht am Mittelturm der Orgel.