Dienstag, 12. Mai 2020

Aula Orgel im STEPHANEUM in ASCHERSLEBEN op.415

AD 1325. Auf dieses Jahr geht die älteste Schule Ascherslebens zurück. Das Stephaneum. Realgymnasium- heute Gymnasium und Europaschule. 1926 wurde im Rahmen einer Umgestaltung der Aula eine kleine Orgel angeschafft- opus 415 von Wilhelm Rühlmann-Zörbig.
op.415 aus 1926 im Stephaneum Aschersleben.
Disponiert wurde ohne Mixtur: Manual I: Hohlflöte 8' Principal 8' Octave 4' Manual II: Aeoline 8' Lieblich Gedackt 8' Rohrflöte 8' Flûte harmonique 4' Pedal: Subbass 16'. Ganz klassisch und noch der Tradition der Epoche der Spätromantik zugewandt. Die Aeoline wurde leider abgeschnitten und zu einem 1' kastriert, das lässt sich aber rückgängig gestalten. Der große Raum und die gering disponierte Orgel mußten zusammenkommen. Dazu behalf man sich in Zörbig der Spielhilfen. Suboktavkoppel II-I, Superoktavkoppel II-I , diese Beiden wirken durch die Pedalkoppel I mit auf das Pedalspiel. durch diese Mittel kommt man auf eine Orgelgröße von II-8 auf II-24! Die dadurch entstehenden 16' füllen den großen Raum und geben Wärme, die Superoktavkoppel verleiht mit den jetzt in 4' und 2' klingenden Stimmen Glanz und Würde und macht das Pedalspiel durchhörbarer.
Spieltisch.
Interessant ist auch hier wie bei Instrumenten um 1900 der Einsatz zweier Windladensysteme in einem Instrument. Der Sohn macht es genauso wie der Vater : I-Manual Registerkanzellen (sog.Kegelladen-sind aber Scheibenventile!!!Es sind eben keine Kegel, ich wehre mich dagegen. ). Das zweite Manual auf den damals modernen Taschenladen (Witzig´s Taschenlade mit stehenden Taschenvetilen) Das Werk ist spielbar repariert - wartet aber durch die winterliche Heizperiode mit einigen Fehlern auf - was aber zu Regulieren wäre. Das Gehäuse ist in schlichter Eleganz der Architektur der 20er Jahre angepasst, 2 massive runde Ecktürme die sogar "um die Ecke" laufende Pfeifenfelder beherbergen und ein dreigliedriges flaches Mittelfeld, alles in ansprechender Farbgebung- geben Zeugnis ab, was in schwerer Zeit (1926) möglich war. Alle Prospektpfeifen haben Überlänge und ragen über den Obergesims heraus.
um die Ecke laufende Pfeifen mit Überlänge
Architektonisch sehr interessant und ansprechend in den neoklassizistischen Raum hineinkomponiert wurde das Orgelgehäuse welches den Raum nicht dominiert, es richtet ihn aus und bildet das Zentrum des Geschehens.
Gesamtansicht der Aula
Das Instrument reiht sich in einer Reihe von sogar relativ großen Saal-Orgeln ein, die die Orgelbauanstalt an Schulen geliefert hat:
Eisleben op.308,331 II-11;
Erfurt op.421 Oberrealschule II-21;
Halle Saale: op.363 Saal franckesche Stiftungen II-18;
op.288 Aula der Latina II-11;
 op.426 Stadtgymnasium II-22;
Magdeburg op.238 KönigWilhelmgymnasium II-15,
Augustaschule op.243 II-21;
Bismarckschule op.346 II-20;
Realgymnasium op.395 II-18.

Freitag, 8. Mai 2020

MOCHERWITZ bei Krostitz op.258 aus 1904

In der kleinen romanische Feldsteinkirche die auf das 11 Jhd zurückgeht befindet sich die 258te Orgel aus Zörbig!
Mocherwitz heute.
In früheren Zeiten wurde das Gebäude vergrößert und immer wieder verändert. 1904 wurde der Innenraum erneut angepasst, eine neue Orgel sollte her. Rühlmann lieferte sie als op.258 und verwendetete das edle Barockgehäuse welches 1721 erbaut wurde wieder, ergänzte und erweiterte es. Noch unklar ist, welcher Orgelbauer damals dieses kleine Werk angefertigt hat.
der kleine Spieltisch, geplündert.
Eins ist sicher Rühlmann baute eine ganz kleine Orgel auf einem Manual und Pedal, die Windladen sind  Kastenladen. Disponiert wurde ohne Klangkrone: Gedackt8' Hohlflöte8' Principal8' Salicional8' Octave4' auf dem Pedal Subbass 16'.
Pfeifenwerk von Rühlmann 1904, Zustand 2020
Das kleine Instrument ist momentan unspielbar, würde aber spielen wenn die Windversorgung repariert würde, technisch liegt alles im Inneren der Windladen. Bis auf wenige Pfeifen und einige Hubmembranen ist Alles vorhanden.....
pneumatische Kastenlade 1904, incl Ausgleichsbalg
Das edle Gehäuse aus 1721 hat einige Schleierbretter und Zierleisten eingebüßt, das ist aber erst zu DDR Zeiten passiert- Rühlmann ergänzte immer gut und elegant mit seiner Spezialabteilung "Gehäusebau"  in seiner Firma. Es ist eine Photomontage von mir angefügt welche den ursprünglichen Prospekt zeigt.
Photomontage, ergänzte Schleierbretter
Farblich sind alle kupfergrünen Ranken vergoldet gewesen, im Mittelturm leuchtet die Sonne mit einen strahlenden Gesicht, wahrscheinlich der Zimbelstern der Barockorgel vergangener Zeiten. Farblich war alles sicher etwas anders gestaltet...aber auch hier, Alles ist erhalten und harrt der Wiederherstellung.
Sonnengesicht am Mittelturm der Orgel.

Mittwoch, 6. Mai 2020

THRONITZ opus 155 aus 1894

In der kleinen Dorfkirche in Thronitz vermutet man ein kleines Instrument. Wenn man es von unten betrachtet - ja eine kleine Orgel.
Thronitz im Raum
Aber ist man ersteinmal auf der 2ten Empore angekommen und klappt den Spieltischdeckel auf, oho Zwei Manuale und 10 Register incl Bordun 16' Octave 2' und Quinte 2 2/3' ! 
Spieltisch mit 10 Register incl Kollekivdrücker
Im kleinen neoromanischem Gehäuse befinden sich die Zwillingslade für beide Manuale als Kastenlade Version I. ausgeführt und dahinter die Pedallade. Das 2te Manual steht direkt hinter dem Prospekt, dadurch wirkt es zusätzlich dem Hauptstimmen der Orgel additiv. Auf ihm disponiert sind eine kräftige und streichende Gamba8' Lieblich Gedackt8' und eine Flöte 4' die sehr brilliant und in höheren Lagen frech flötet:-) Auf dem ersten Manual, dem Hauptwerk klassisch eine kraftvolle dunkle Hohlflöte8' Principal 8' Octave 4' Bordun 16' und Quinte&Octave 2 2/3'+2'. Im Durchgang zur Orgel überkopf befindet sich der Magazinbalg mit 2 Schöpfern und deren Handbedienung die im Sitzen bedient wird, so kräfteschonend geht das zu bei Rühlmann! Alles musste auf so kleinem Raum untergebracht werden, jeder cm² wurde ausgenutzt.
Schöpferanlage im Durchgangsbereich
Die Orgel wurde spielbar gemacht durch eine Gruppe Musikstudenten und Herrn Dozenten Nötzel. Die noch tadellos repetierende Pneumatik tut ihr übriges für Spielvergnügen. Selbst bei so wenigen Registern lassen sich mannigfaltige verschiedene Klänge herausholen außerdem lassen die 2 Manuale ein obligates Spiel zu. Das Pedal ist mit Subbass 16' und Principalbass 8' kraftvoll besetzt. Thronitz bei Markleeberg, einen Abstecher wert, auch das tolle Innere der Kirche ist sehenswert, und wurde auch um 1894 errichtet. Neobyzantinische und Historismus-Ausmalung, incl Absishimmel mit Sternen!

Montag, 4. Mai 2020

POTCHEFSTROOM Südafrika. Op.375 - 1914

Für die holländisch reformierte Kirche im Transvaal-Gebiet in der heutigen Republik Südafrika lieferten einige deutsche Firmen Orgeln auf den schwarzen Kontinent. Für unsere regional begrenzte Orgelbauanstalt Rühlmann in Zörbig war das damals sicher etwas Herrausragendes - aber nichts Ungewohntes mehr - man baute schon für die kleineren Orte im Bereich.
Hartebeestfontein Südafrika opus 312 1909 (Bild: Katalog 1914)
HARTEBEESTFONTEIN
Op.312 aus 1909 (II/12)

Originalseite aus dem Rühlmann´s Firmenkatalog 1909
und Krügersdorf bei Johannesburg Op.345 aus 1912 (II/16). Vor der Jahrhundertwende sogar nach Ranchi in Bangladesh. (I/4 op.193 1897)

1914 sollte die größte bisher gelieferte Orgel folgen, Potchefstroom. 30 Register verteilt auf III Manuale und Pedal.

Potchefstroom op.375 aus 1914. (Bild aus Rühlmann´s Firmenkatalog 1914)
Bei der Zusammenstellung der Register wurde sicher auf die Kundenwünsche Rücksicht genommen - man weicht vom gewohnten Weg der Disponierung ab und hält das ganze Werk im angelsächsischem Stil. Great-Choir-Swell-Pedal. *** Hauptwerk; Chorwerk, Schwellwerk,Pedal. Das erste Manual enthält keine Streicher, nur volltönende Flöten und Principale, eine Kleinmixtur 2-3fach und die Trompete8' . Auf dem zweiten Manual findet man eine genauso kraftvolle Batterie an Soloregistern , Voix céleste 8' geht mit der Viola 8' welche den Charackter der Gambe hat die Partnerschaft ein. Mixtur 2,3-4 fach plärrt quintig und tiefliegend mit 5 1/3' im größten Chor. Dazu sogar zwei Rohrwerke, Vox Humana 8' und Oboe 8' die sonst immer im III. Manual zu finden ist. Auf dem III.Manual befinden sich wahre Soloregister. Hier endlich kommt die Gamba 8´ dazu eine zarte Dulciana 8' (Zwischen Aeoline und Salicional, beachte Rekonstruktion in Jüterbog op.300 -Metallpfeifen und Klangzügel) Piccolo 2' und Clarinette 8' (durchschlagend) runden das Ganze perlig und softig schnarrend ab. Manual III besitzt keine Klangkrone. Das Pedal ist gegenüber den Manualstimmen schwach besetzt, aber auch hier wußte man in Zörbig zu kompenisieren und doch Kraft und den eigenen charmanten Klang der Zörbiger Instrumente einzubringen.
Disposition im Katalog 1914.
2 Gedackte 16' dazu Trompete 16', Quintbaß 10 2/3' erzeugt akustisch den 32' und gibt dadurch Gravität und Kraft. Principal und Gedackt 8' decken das eher unsolistisch besetzte Pedal rund ab.
Novum für die Zörbiger: Manual II und III als Schwellwerke!! Dazu Superoktavkoppel II-I und Subokavkoppel III-II diese aber durch die Manualkoppel II-I auch auf I wirkt. Somit vollste Wirkung durch Verdoppelung der Stimmen. (Eine von beiden Oktavkoppeln wirkt mit der entsprechenden Pedalkoppel bautechnisch bedingt im Spieltisch auch ins Pedal).  2 freie Kombinationen lassen den Spieltisch zusätzlich riesig wirken. Das Nadelholzgehäuse in Neogotik mit breitem Mittelfeld wird flankiert durch 2 herausragende Pfeifentürme, die dazu Pfeifen in Überlänge aufnehmen und auf Optik getrimmt sind. Der Spieltisch ist in eine Niesche eingelassen. Man beachte das doppeltgeschweifte Parallelpedal!!!
Spieltisch in Potchefstroom (Photodetailausschnitt) 2 Schwelltritte und doppelt geschweiftes Pedal erkennbar!
Leider gibt es momentan (2020) noch keine Hinweise trotz mehrerer Anfragen nach Südafrika über den Verbleib dieses Instrumentes und den beiden Anderen.

Samstag, 2. Mai 2020

GROßGÖRSCHEN op.219 aus 1900

Noch unrestauriert steht in dem geschichtsträchtigem Ort Großgörschen nahe der Stadt Lützen Rühlmanns 219tes Werk. Die Gehäuseformen ähneln sehr der Orgel aus dem letzten Post "Zweimen op.197."
Gesamtansicht opus 219 Großgörschen
Auf zwei Manualen stehen 12 Register und das auf einer Kompaktwindlade die von zwei Seiten angesteuert wird. Das Pedal steht seperat dahinter.
Ansteuerung der Kompaktwindlade: mittig I.Manual; links: II. Manual.
Der Magazinbalg wirkt noch wie gerade erst angefertigt, und befindet sich im Orgeluntergehäuse.
innenliegender Magazinbalg und der Hauptausgleichsbalg.
Bei diesem Instrument setzt die Firma schon die moderneren Registerkanzellen ein (Kegellade). Klanglich ist sie schon der Epoche von Richard Rühlmann zuzuordnen, der hier mit einem weiteren Kollegen die Intonation besorgte. Er war der Sohn des Bruders von Wilhelm Rühlmann, Theodor der bis 1910 der Werkmeister in Zörbig war. Beindruckende Flöten, elegante Streicher die noch nicht zu extrem kratzen und eine Voix céleste8' die einfach nur traumhaft ist. Ein Klangteppich aus geschmeidigen 8'-Registern bilden auch hier die Grundlage, dazu nicht zu harte Principale und eine sanfte Mixtur geben Glanz ohne zu schrill zu schreien.
Register des ersten und zweiten Manuales.
Beim besichtigen des Werkes viel auf das der Winddruck etwas niedrig ist-74mm- die Orgel jammert ein wenig dadurch-aber sie ist ja noch nicht restauriert. Spielbar und klangschön - leider auch unbekannt und unbeachtet.
Massive neoromanische Gehäuseformen.
Großgörschen. Der erste Ort der beginnenden Völkerschlacht bei Leipzig 1813. Der ganze Ort ist mit Denkmälern ausgestattet. Prinz von Hessen Homburg, Schinkelpyramide und das riesige Scharnhorstmonument stehen hier. Vom Monarchenhügel schauten Zar Alexander I und Friedrich Wilhelm III von Preußen der Schlacht zu. Besuchenswert!

Mittwoch, 29. April 2020

Zweimen bei Güntersdorf / Nova Eventis an der A9

In Zweimen steht op.197 aus dem Jahr 1898.
Zweimen
Das fast unspielbare Instrument wurde 2011 komplett saniert und erfreut Besucher, Gemeinde und Organisten gleichermaßen. Im neoromanisch eklektizistischem Gehäuse präsentiert sich das Orgelwerk in der Nische im Turmraum stehend.
in der Turmnische stehend
Dabei muß es einen relativ großen Innenraum füllen. Das Werk steht auf Registerkanzellen System Rühlmann, der ersten Generation.
Vorrelais erste Generation
Die Pneumatik fuktioniert präzise und die Klanglichkeit ist absolut warm rund und voller Würde. Vox celeste und die Flöten klingen sehr ansprechend und die Octave4 + Mixtur und Bordun16' geben sogar einen fast barocken Charackter. Dazu gesellt sich eine kräftige Gambe8' und die Principale erledigen den Rest. Der Prospekt wurde -so soll es sein - in Zinnlegierung neu ergänzt, nachdem er 1917 abgeliefert werden mußte.  Auf Facebook ist die Gemeinde erreichbar

Spieltisch Zweimen
https://www.facebook.com/St-Barbara-Kirche-Zweimen-668198693234998/

Mittwoch, 22. April 2020

Orgelbesuch in LISSA bei Delitzsch opus 159 aus 1894

Im letzten heissen Sommer 2019 wurde die Lissaer Rühlmann Orgel grundlegend saniert und präsentiert sich nach vielen stummen Jahrzehnten endlich wieder der Zuhörerschaft.
Lissa opus 159
Nach der Zeit des Kohlebergbaues um Bitterfeld kamen Risse zwischen Turm und Gebäude, das Gewölbe stürtzte teilweise herunter.
alte Aufnahme....als das Gewölbe defekt war

Pfeifenwerk weit vor der Restaurierung
Über die Jahre wurde saniert und nun endlich die Orgel wieder komplett spielbar der Gemeinde anvertraut. OBM Thomas Schildt aus Halle/S. zeigte hier sein Können speziell im restaurieren mit der Rühlmannschen Kastenlade...hier in Version II. zu erleben.
Pfeifenwerk nach der Restaurierung
Auf 2 Manualen stehen 10 hervorragend abgestufte Register zur Verfügung. Das Instrument steht im Turmraum unter einem gotischen Gewölbe hinter einem Gurtbogen, hier ist der Klang ganz präsent  und direkt, die Register klingen fast "Barock". Im Kirchenraum hingegen der unverkennbare Klang, warm, kraftvoll und elegant.
Gehäuse im Turmraum - unter Gewölbedecke.

Dienstag, 21. April 2020

RAMSIN opus 131 aus 1892

Unweit von Bitterfeld in Ramsin steht opus 131 von Rühlmann. Die kleine Orgel wurde spielbar hergerichtet und sogar der Prospekt wurde in Zinnlegierung ergänzt. Einfach herrlich, dieser Anblick.
Ramsin opus 131 - Totale.
Das schlichte Neoromanische Gehäuse mit einem kleinen Aufsatz wirkt im Raum, wurde von alter Elektrik befreit und erstrahlt erhaben von der Empore.
Das kleine Instrument besitzt keine Mixtur, ähnlich dem OEvre Ladegasts - nur 8' und 4' Stimmen prägen dieses Werk. Diese sind aber edel und elegant ausgeführt, sodas die Begleitung zur Gemeinde ja dadurch geradezu gegeben ist. Subbaß 16' und Principalbaß 8' runden in klassischer Rühlmann-Manier das Registerensemble ab. Ein Verdienst Rühlmanns selbst bei kleinen Instrumenten 2 vorhandene Pedalregister.
Spieltisch und neue Prospektpfeifen.
Das hat er wohl von dem Firmengründer und Vater Friedrich Rühlmann so mitbekommen, bei ihm sind diese Merkmale auch zu erkennen, er baute leider nur 6 bescheidene Werke,  ließ aber seine 2 Söhne (Wilhelm und Theodor) das selbe Handwerk erlernen.
Firmenschild im Detail.
Pneumatische Kastenladen der V1 Generation bestimmen die technische Seite incl des mechanisch-pneumatischen Spieltisches- ebenfalls in der technisch ersten Generation- es funktioniert!
Spieltischrückseite geöffnet: Mechanik im Übergang zur Pneumatik.

Montag, 20. April 2020

OEBISFELDE op.242 aus 1902

In der Katharinenkirche in Oebisfelde in der Nähe von Wolfsburg im ehemaligen Grenzgebiet der DDR steht Rühlmanns opus 242 aus dem Jahr 1902.
Oebisfelde opus 242
Klangprächtig spätromantisch original erhalten im farbigen Neorenaissance Gehäuse welches mit dem Instrument erbaut wurde.
20 verschiedene Register lassen Spielfreude aufkommen. Die Orgel ist gewartet und vollkommen einsatzfähig.
Spieltisch
Die Windladen sind in Registerkanzellen (Kegelladen) (System Rühlmann Version.I.) ausgeführt. Das 2te Manual kann mit Hilfe der Octavkoppel II-I (Oberoktav) und der Manualkoppel II-I die synthetischten Klänge von Hammondsound erzeugen, von ganz zart kraftvoll. Beginnend mit Salicional 8' und der Vox céleste 8'. Dazu die starken Stimmen des ersten Manuales-all das untersetzt die schmetternde Posaune 16'. Diese erreicht man über einen eigenen Stimmeingang am Gehäuse.
Eingang für Bälgetreter und Stimmgang zur Posaune
Die Impulsleitungen der Pneumatik sind noch in Messingrohr ausgeführt, später ging man zu Hartbleirohren über. Bei vergangenen Reparaturen wurde an einigen Stellen das Messing entfernt und mit mit Bleirohr ergänzt. Die Pneumatik funktioniert auch hier tadellos, präcis. Das wird erreicht indem unter der Hauptwerkslade links und rechts ein Vorrelais gekoppelt ist welches die Membranenleiste von 2 Seiten mit frischem Wind versorgt.
Pneumatik mit doppelten Vorrelais
Das wirkt auf den ersten Blick technisch zugebaut, was Wartungen erschwert, man ist damals nicht davon ausgegangen das man die Orgeln später mal restauriert sondern entfernt und durch neue ersetzt, das war der Zeitgeist. Später ging man aber zu mittig liegenden Relais über. Alles in Allem steht hier auch wieder ein Instrument ersten Ranges der deutschen Spätromantik für Reger, Karg-Elert und Straubeausgaben von Bachschen Orgelwerken. Liszt Rheinberger und Piutti lassen sich problemlos darstellen, genauso verhält es sich mit modernen Transkriptionen aus Film und Fernsehen.
Groß-Pedal. oben Labiale 16 und 8' und vorne Posaune16' mit Stimmgang.

Montag, 13. April 2020

PETERSRODA opus194 aus 1897

In Petersroda zwischen Bitterfeld und Delitzsch gelegen, kommt die 194te Orgel der Orgelbauanstalt Rühlmann zu stehen.
Petersroda op.194
Im Nadelholzgehäuse in Neorenaissance und Eklektizismus verpackt befinden sich 14 Register. Sie stehen auf modernen Registerkanzellen-Windladen nach System Rühlmann. (Kegelladen) Die Impulsleitungen sind noch elegant mit 90° Bögen in Messingrohr ausgeführt.
Petersroda, Pneumatik-Impulsleitungen an der Spieltischrückseite
Zu dieser Zeit changiert die Rühlmannsche Orgelbaufirma immer wieder zwischen Kastenlade und Registerkanzelle, die Systeme sind auch teils kombiniert eingesetzt, vorzufinden. Ein schönes Ensemble an Registern ist vorhanden - in den 1970ern wurde das noch spielbare Instrument verwüstet- aber es ist in allen Bereichen größtenteils vorhanden und harrt der Restaurierung, der Spieltisch und alle anderen technischen Komponenten sind komplett erhalten....
Op.194 Spieltisch
Voix céleste und die anderen Streicher und Flöten machen Lust auf mehr.....
Petersroda op.194 Balganlage.