Dienstag, 5. Februar 2019

laufende RESTAURIERUNG op.300 in JÜTERBOG

Nach einigen Anlaufschwierigkeiten startet jetzt die grundlegende Restaurierung des Jubiläumswerkes der Orgelbau-Anstalt Wilhelm Rühlmann - Opus 300 aus dem Jahr 1908! Ausgeführt werden die Arbeiten durch die W. SAUER ORGELBAU GmbH.  Technisch beratend bin ich in diesem Projekt tätig.
Altmeister Peter Dohne (*1941) Orgelbau W.SAUER  und Christian Schmidt technisch und klanglicher Berater für Rühlmann-Instrumente - vor der 300ten Rühlmann Orgel

Das Pfeifenwerk ist ausgebaut, fehlende Pfeifen werden rekonstruiert und historische überarbeitet.
Technisch wurde der große Magazinbalg inclusive der zwei Schöpfbälge komplett neu beledert.  Der historische und mittlerweile einmalige Kompressionsapparat der den 80mm Spielwind auf 130mm Trakturwind herauf komprimiert- wurde ausgebaut und befindet sich zur Aufarbeitung in der Firma. Hier und am Spieltisch hat sich Orgelbauer Tobias Mutke von Firma W.Sauer-Orgelbau sehr verdient gemacht.
Innenliegender Balg des Kompressionsapperates neu beledert!
Der zentrale Spieltisch wurde ausgebaut und in der Orgelbauanstalt komplett in alle Einzelteile zerlegt. Dann begann die schrittweise Rekonstruktion. 


Spieltisch Op.300 demontiert in der Orgelbaufirma W.Sauer-Frankfurt
Alle Dichtelemente sind erneuert wurden und besonders die Hubmembranen wurden durchgreifend alle neu beledert. Das Pedal wurde nach originalen Vorbildern rekonstruiert, da dieses seit 1937 verändert vorhanden war. Der Rollschweller wird wieder in seine ursprünglichen Länge zurückversetzt.
nach Originalen neu angefertigtes und rekonstruiertes Pedal C-f´
Der umgebaute Balanciertritt wird wieder im Stil von Rühlmann zurückgebaut und ausgeführt als "Pantoffel" lederbezogen. Die Einfassungen aus Holz und andere Komponenten werden nach originalen Vorbildern angefertigt. Genauso wie der Crescendohebel der auch gleichzeitig auf die Walze wirkt. Ausserdem wird die Basis der Manuale und einige andere Dinge am Spieltisch in den historisch originalen Zustand zurückversetzt.
Spieltisch im Zusammenbau - in der Orgelbaufirma

Wichtig war auch die Rekonstruktion der komplett verlorengegangenen Porzellanregisterschilder und wurde nach meiner Vorlage durch eine Porzellanmalerin ausgeführt.
neue Register-Schilder nach Originalvorlagen angefertigt!
Um eine unschöne Gestaltung durch Klebezettel im Spieltisch zu vermeiden haben wir uns entschlossen - auch hier nach originalen Vorbildern der Orgelbaufirma Rühlmann- auf der freien Kombination eine Nummerierung anzubringen, im Stil von Rühlmann- anhand von Referenzinstrumenten!
Principal 16´ neu in 75%Zinnleg. im Prospekt!

Magazinbalg mit 2 Schöpfern neu beledert und überarbeitet!
Orgelbaumeister Thomas Lang, Christian Schmidt für Orgelbauanstalt Rühlmann-Zörbig und Altmeister Peter Dohne von Firma W.Sauer auf Tour.

Untersuchung am Referenzinstrument- in Schmirma bei Halle op.267 Rühlmann

Nach einer technisch und klanglich sehr informativen zweitägigen Studienfahrt mit den beiden Orgelbaumeistern Peter Dohne (geb.1941!) und Thomas Lang im Herbst 2018 zu Instrumenten Rühlmanns konnten durch - nun neue Erkenntnisse- die Arbeit beginnen.
Beide Orgelbaumeister von Firma W. Sauer Frankfurt am historischen Instrument von Rühlmann op.237 in Nemsdorf bei Querfurt!
Gespannt auf das Ergebnis!
Mit auf der Fahrt und Vorfreude der Einbauphase ist natürlich auch der Kantor für Jüterbog und Orgelsachverständige für den Kirchenkreis Zossen Fläming Peter Michael Seifried, der das ganze Projekt sachverständig begleitet und initiiert hat.
Peter Michael Seifried - Initiator des Orgelrestaurationsprojektes - hier vor der Orgel in Nemsdorf erbaut von Rühlmann op.237


Freitag, 9. November 2018

FALKEN bei Treffurt/Eschwege Op.309 - 1909

Im ehemaligen Grenzgebiet der DDR/BRD unweit von Seebach (op.311) steht in FALKEN das original erhaltene Op.309 von Rühlmann. Eine absolut interessante Orgel.
Im Barockgehäuse der Vorgängerorgel untergebracht steht das RühlmannOrgelwerk.
Einmalig ist das die originalen Prospektpfeifen aus dem Jahr 1909 noch erhalten sind!!!
Falken opus 309 * 1909

Klanglich ist sie leider sehr eingeschränkt, bedingt durch ihren ungünstig gewählten Standort im Raum.  ABER-
Absolut spätromantisch im Style von Rühlmann und Intonateur Eule/Richard Rühlmann intoniert entfaltet sie an der richtigen Zuhöhrerstelle den einen absolut genialen Klang der diese Rühlmann-Instrumente nach 1906 auzeichnet - durch alle Klang-Farb-Register-Chattierungen. Sauber und ordentlich präsentiert sich das Werk, die Pneumatic Steuerung ist leider nach etlichen Jahren der letzten Reparatur ermangelt und bedarf einer dringenden Sanierung. Das betrifft auch den Koppelapparat im Spieltisch!

Spieltisch op.309
Die Pfeifen sind vollständig original erhalten, sauber, und wirken auch nach 100 Jahren noch modern. Rühlmann´s Holz- und Metallpfeifen sind für höchsten Ansprüche an Qualität, Ausführung und Bauart gefertigt. Das bestätigen immer mehr Fachkollegen und Orgelbauer. "Diese Qualität des Pfeifenwerkes ist einmalig"

Detail Rohrflöte 4'

Prospektprinicpal 8' 

Prospekt original 1909!

das Innere der Orgelanlage von 1909

Prospektpfeifen von hinten original!

Windlade Manual I.


DRASCHWITZ bei Zeitz Op.328 aus dem Jahr 1910.

Hinter dem (neo)Barockgehäuse  was (vermutlich) zur Erbauungszeit mit entstanden ist befindet sich klangschön und unverändert die neu installierte Orgelanlage der Orgelbauanstalt W.Rühlmann - Zörbig. Sie ist das 328te Instrument welches die Firma im Jahr 1910 verließ.
Op.328*1910 Draschwitz
Das Gehäuse ist seitlich durch gitterförmige Schallöffnungen erweitert, unten befinden sich Türen zum Turmaufgang und in das Innere des Instrumentes. Mittig ist der Spieltisch eingelassen. Eine Besonderheit ist die für die verhältnismäßig kleine Orgel die Anlage einer freien Kombination.
Spieltisch mit freier Kombination

Ausserdem wertet auch die einmalig verbaute und überblasende "Flauto minor 4' " im ersten Manual die Anlage im Wert noch weiter auf.  Flauto treaverso 8' auf II.Man. ist auch als überblasende Flöte ausgeführt.

Prospektpfeifen in Zinkersatz nach der Abgabe 1917.
einmalige Flauto minor 4'

Die Orgel wurde generalsaniert und versieht seit vielen Jahren ihren zuverlässigen Dienst zum GD und wird in einigen Konzerten mit internatinalen Organisten benutzt.

Interessant ist auch hier, wie die Intonation von Intonateur Eule am Spieltisch eher zurückhaltend aber im Kirchenschiff ordentlich an Fahrt aufnimmt und sich einmalig spätromantisch mischt- egal welche Registerkombinationen verwendet werden. Das volle Werk klingt Rühlmann-typisch würdevoll und imposant. Das gesamte Orgelwerk vermittelt dem Spieler Spielfreude.
Rühlmann´s Doppelflöte 8' - aus Kernholz gedrehte Füße.

Im Inneren ist eine klassische Gliederung zu finden. Hinter dem Prospekt die Hauptwerkswindlade, C/C# Teilung, Stimmgang, dahinter Windlade des II. Manuales in chromatischer Ausführung. Ebenerdig Pedallade mit Subbaß 16' und Principalbaß 8'.


Am Spieltisch wurden leider 2 originale Drücker entfernt.

Auch interessant ist die Firma die die Schlösser und Eisenteile für Rühlmann lieferte. Ein Betrieb aus Zörbig in unmittelbarer Nachbarschaft der Orgelbauanstalt mit einem doch auch bekannten Namen.
SELLE. Franz Selle & Sohn - Zörbig. Nachfahren des bekannten Kirchenmusikers Thomas Selle, aus Zörbig. Die Familie ist heute noch in Zörbig vertreten.
Originalschlüssel für Seitentüren von Selle / Zörbig.

Samstag, 6. Oktober 2018

Spätromantische HERMANN EULE Orgeln aus Bautzen

Will man Rühlmann um  1906-1913 zur Zeit der Spätromantik verstehen und einordnen so muß man sich zu seinem Umfeld bewegen. Hier sein Kollege aus dem entfernten Bautzen, Hermann Eule.
Firmenschild von Hermann Eule
Dessen Sohn Rühlmann als Chefintonateur anstellte. Hört man die Instrumente von Hermann Eule, so hört man den Anspruch an höchste Qualität, an die Handwerkskunst und an ein absolut augewogenes und feinfühliges Klangdesign. Zarteste Stimmen mischen sich zu immer neuen Kombinationen in allen Facetten und Bandbreite addiert mit der Basis einer runden Flöte, einem runden Gedeckt8' dazu die Gamba 8' die laut und scharf streicht wie die Violine 8' auf dem II. Manual , die Principale und Geigenprincipal. Alles firmiert sich zu einem gewaltigen wohlig warmen Ganzen, fundamental untersetzt durch durchdringende Bässe.
Wachau Eule op. 137 - 1912 II-23
Dazu treten die Mixturen in beiden Manualen die eine direkte Klarheit bringen. Gesteigert wird das durch den Einsatz von Oberokav und Unteroktavkoppeln von II - I Manual. Diese Kombination (Manualkoppel II-I ; Oberoktav II-I ; Unteroktav II-I )

lassen auf dem ersten Manual und dem Einsatz des Schwellkastens fast schon Kino-Orgel-mäßige Klänge zu.
Heute schier unbekannt-die alten Instrumente bringen das mit einer Lässigkeit zu Gehör. Dem vollen Werk tritt eine Trompete hinzu, die die gesamte Orgelanlage beherrscht. Wenn noch eine Posaune 16' im Pedal vorhanden ist, dann überwältigt es den Zuhörer mit einer Brachialität und Gewaltigkeit. Diese Einfühlsame Intonation ist meisterhaft und bedarf viel mehr Anerkennung. Das gab Hermann Eule an seinen Sohn Georg weiter, der mit einem jungendlichen Draufgängertum und Leidenschaft und Emotionalität an die Klänge heranging, die heute fast befremden.
Zehren Eule op.139 1913 II-21
Eine Klangwelt die für viele Unbekannt und befremdlich wirkt oder mit der einige Musiker nicht umgehen können. Einigen, bei Vorstellung dieser Instrumente, treibt es die Tränen in die Augen, und das zu Recht, da hier etwas emotional einmaliges erschaffen wurde. Rühlmanns Instrumente stehen auf pneumatischen Registerkanzellen. Hermann Eule´s Werke auf pneumatischen Taschenladen. Beide herrausragend präzise und solide gearbeitet!
Deutschenbora Eule op.148 1914 II-18
So hat man vor 110 Jahren Instrumente für höchste künstlerische Ansprüche geschaffen auf höchsten technischem Niveau.
Nostitz Eule op.147 1915 II-21
Hier Portraitiert sind die Instrumente in WACHAU bei Dresden, ZEHREN bei Meißen, NOSTITZ bei Löbau und die leider umdisponierte Orgel in DEUTSCHENBORA bei Nossen, welcher auch der Schwellkasten entfernt wurde.

Mittwoch, 28. März 2018

LENGEFELD op.203 aus 1898

LENGEFELD bei Sangerhausen, hier steht Opus 203 aus dem Jahr 1898.
Frontalansicht 
Spielbar mit einigen Einschränkungen. Die Windladen sind in dieser Zeit üblichen pneumatischen Kastenladen ausgeführt. Das Instrument besitzt 12 Register auf zwei Manualen die in einem guten Lautstärkeverhältnis zueinander disponiert und intoniert sind.

Totalansicht
Kraftvolle Principale, eine Gamba die sich behauptet , abrundende Flöten und nicht zuletzt ein Bordun16' der in der Oberoktavlage als Soloregister fungieren kann. Im Manual II bringt das sonore Gemshorn 8' und die lapidar dahingeschriebene  Flöte 4' Kraft und Klarheit.
Detail des Spieltisches, Register des zweiten Manuals
Rauschquinte 2 fach bringt zusätzlich klangliche Pracht und feierlichen Glanz in das ganze Ensemble. Die Pfeifenformen entsprechen der ersten Generation, später änderten sich Aufschnitte, Bärte und Expressionen (bei Rühlmann: Köpfe)
vollständig aber unrestaurierte Pfeifen
Die ganze Anlage befindet sich in einem Neo-romanischen Gehäuse das von der Orgelbau-Anstalt mit erbaut wurde. Diese Form trifft man ,abgewandelt, des Öfteren bei den frühen pneumatischen Werken der Firma Rühlmann an.  Der Spieltisch ist noch aus der ersten Generation und besitzt nur die Koppeln II-I und I-Pedal.
KMD OSV Peter-Michael Seifried am Instrument
Er ist nicht in vollpneumatischer Bauweise ausgeführt sondern mechanische  Koppelgestänge werden von Keilbälgen eingeschaltet. Die Windmaschine arbeitet leider sehr geräuschvoll und auch vibrierend, einige Pedaltasten klemmen und vereinzelt gingen Töne nicht. Bei unserem Besuch 2018 war das Instrument in einem nicht restaurierten Zustand.

Donnerstag, 22. März 2018

Großleinungen Op.19 aus 1876

super gepflegt, klanglich schön intoniert im klassizistischen Gehäuse presentiert sich die Orgel in Großleinungen bei Sangerhausen.
Die 19te Orgel der jungen Orgelbaufirma Rühlmann in Zörbig. Hier hat der Großmeister noch selber intoniert, es herrschten noch hochromantische und klassische Orgelklänge vor, solide Basis heutiger gelehrter Registrationsprinzipien 8'+4'+2' mit einigen Solostimmen gefestigt mit einem gravitätischen Bass und Aliquotstimmen die schon 20 Jahre später so nicht mehr eingesetzt wurden.
Aber man muss auch sagen, das Profil der Orgelbaufirma zeigt sich auch hier schon sehr klar: kräftige Principale 8'+4'+2' Mixtur 3fach und das II-Manual ist kein einfaches Neben- oder Echowerk und besitzt Kraft mit seinem Klangvollem Geigenprincipal 8'. Dazu einige sonore Pedalstimmen.
Die Windladen sind durchweg in mechanischer Schleifladenbauweise hergestellt. Alle Manualstimmen stehen auf einer Windlade...wie bei späteren Werken auch.
Der Magazinbalg wird durch eine moderne Windmaschine gespeist. Der Kastenbalg steht noch daneben.
Ein absolut schönes Klangerlebnis, kraftvoll und strahlend.

Dienstag, 20. März 2018

BORNSTEDT Op.260 aus dem Jahr 1904

In dem kleinen Dorf, nahe der zuletzt geposteten Holdenstedter Orgel, Bornstedt befindet sich opus 260 aus dem Jahr 1904.
Prospekt in Originalbemahlung
in der damalig teilweise neuerbauten Kirche im Jugendstil, welcher weitgehend erhalten ist, steht fast unspielbar das II-manualig 16 registrige Instrument und fristet seinem kläglichen Dasein. Aber original erhalten in allen Einzelteilen! 3-4Register des I.Manuales funktionierten noch und konnten , wenn auch eingeschränkt-gespielt werden. Aber auch hier weiss man schon nach den ersten Klängen wohin die Reise geht, in Rühlmanns Spätromantik.
Totale im Raum.op.160-1904
Eine warme Hohlflöte 8' eine kalte kräftig sägende Gambe 8' und teilweise die frische Oktave 4' und der Bordun 16' verraten viel und lassen den gravitätischen Gesamtklang nur erahnen. Subbass mit Violon 16' und Principalbass 8' aus Holz bilden ein dominantes Bassfundament. Das 2te Manual war unspielbar, leider, es birgt die noch schöneren Register incl der Voix céleste 8' die sich mit dem kräftigen Salicional paart. Geigenprincipal 8' gibt immer Kraft, nicht einfach nur ein "Nebenwerk" oder "Echo" bei Rühlmann immer ein wahrer Gegenspieler zum kräftigen Hauptwerk. Die eingebaute Superoktavkoppel begünstigt dies..... leider funktionierte nichts mehr.
liegender Schwellkasten im Untergehäuse
Und oben drauf kommt noch, das das ganze II.Manual im Untergehäuse der Orgel in einem ebenerdigen Jalousie-Schwellkasten eingebaut ist der mittels, hier schon ausgeführt, eines "Pantoffeltrittes" bedient wird.
Spieltisch  mit "Pantoffeltritt"
Die Windladen sind allesamt schon in Registerkanzellen nach System Rühlmann-ausgeführt. Das was noch funktionierte ging tadellos und die Repetition gibt es auch zu, Rühlmann Pneumatik sucht noch immer seines Gleichen, und das bei ~80mm /WS Spiel und Pfeifenwind. Das Gehäuse ist Jugendstil Barock Imitation und wahrscheinlich noch in der originalen Bemahlung, lediglich die Prospektpfeifen sind Zink-Ersatz aus den 20ern. Hier bleibt doch nur der Wunsch eine Restauration zu initiieren, bei einem so aussagefähigem Instrument.
Gesamtansicht auf der Empore, Zustand 03/2018

Montag, 19. März 2018

Holdenstedt Op.212 aus dem Jahr 1899

In Holdenstedt befindet sich noch unberührt und unrestauriert, aber spielbar op.212 der Orgelbauanstalt Rühlmann.
Gesamtansicht op.212-1899 Holdenstedt
Auf zwei Manualen erklingen 20 Register, die alle durchweg einen einzigartigen Charme haben. Hier wäre eine Restauration von nationaler oder zumindest regionaler Bedeutung angebracht. Die Intonation muss generell gegen restauratorische Eingriffe wie schlechte Intonateure geschützt werden. Das Ganze Werk ist original erhalten und relativ gut spielbar. Sogar die Posaune 16'. Leider konnte beim ersten Besuch nicht das Innenleben besichtigt werden um die Windladenkonstruktion zu bewerten, aber das wird demnächst nachgeholt. Der Spieltisch ist mittig in der Front angebracht, der Magazinbalg und electr.Windmaschine befinden sich im Turmraum hinter dem Instrument.
Spieltisch op.212
Die Zinkersatz-Prospektpfeifen stammen der Bauform wahrscheinlich von Rühlmann. Die klangliche Intonation muss Richard Rühlmann (*9.9.1880) gemeinsam mit einem noch zu erforschenden Kollegen ("Herrn Fleischer" verm. später Fleischer&Kindermann, Dessau) ausgeführt haben. Die Werke 200-260/270 klingen definitiv anders als später erbaute Werke wo Georg Eule tätig war. Aber auch hier zeigt sich die Jugendlichkeit, frische Principale in klarer Abstufung zueinander, kalt kratzende aber abgerundete Streicher sowie füllig und überblasende klar zeichnende Flöten gespickt mit einer runden kraftvoll großmensurierten Posaune. Das Volle Werk bringt enorme Kraft bei gleichzeitigem Glanz und Schönheit der Einzelstimmen.
solides Pfeifenwerk von der Empore aus gesehen
Hier in Holdenstedt ist eine Restauration extrem Wünschenswert. Besonders wenn im 2kM entfernten "Bornstedt" op.260-1904 (II-16) gleich mit restauriert würde um einen so direkten Vergleich zu haben.

Samstag, 17. März 2018

das verschwundene Orgelwerk Op.270-1905 Halle Ullrichskirche Konzerthalle am Boulevard

1905 wurde von der Orgelbauanstalt Rühlmann Opus 270 im historischen Gehäuse von Christian Förner, dem Erfinder der Windwaage erbaut.
Originalphoto 1928
Sie befindet sich in der Ullrichskirche in Halle, heute genutzt als "Konzerthalle am Boulevard". 1917 wurden die zinnernen Prospektpfeifen an die Rüstungsindustrie abgeliefert und später durch aluminisierten Zink ersetzt. Sie stellte zur Erbauungszeit eines der herrausragendsten und klangprächtigsten Instrumente der Spätromantik in der Stadt Halle dar und war zugleich die zweitgrößte Orgel III/45 nach der Marktkirche Op.187 III/61von Rühlmann der Stadt. Ein imperiales Instrument. Rühlmann-Orgeln fallen immer durch eine standardisierte allgemein gültige eher langweilig aussehende Disposition auf, aber die Intonation reißt alles heraus.
Seite aus dem Firmenkatalog 1914
1933 wurde das Instrument im III.Manual mit zusätzlichen Schwellkasten durch Schwiegel 2' Sesquialter 2 fach, Mixtur 3-4fach Fagott 16' Oboe 8' und einer Trompete 4' durch Wilhelm Rühlmann jr. erweitert, um der geänderten Aufführungspraxis, barockerem polyphonen Spiel und neuen Ansichten der Orgelbewegung gerecht zu werden.
zusätzlicher Schwellkasten 1933
Die Orgel wuchs auf  III/51 an. Der Spieltisch wurde behutsam umgebaut sodass die Ergänzungen kaum auffallen. Rollschweller Balanciertritt zum III.Manual und der Rollschweller für den Registranten blieben erhalten.
Spieltisch Rollschweller Balanciertritt und Rollschweller für den Registranten
Der Gedacktbaß 16' und die Viola d´amoure 8' als Viola 8' sind Transmissionen aus dem Schwellkasten und benutzbar unter einzelnen Zügen für das sogenannte "Echopedal" Noch ehe die Kirche als Konzerthalle umfunktioniert wurde, ist das Werk Rühlmanns spurlos verschwunden, das bezieht sich aber nur auf die Pfeifen. Die Technik, Windladen und der Spieltisch ist erhalten geblieben.
Gesamtansicht 2018
Eine mutwillige Zerstörung, könnte sich die Konzerthalle heute noch über eine Spätromantische symphonische Orgel aus 1905 und einem Neobarocken Instrument von Sauer /FFO aus dem Jahr 1980, die beide im Dialog erklingen könnten, erfreuen.
demolierter Spieltisch
Hier lässt sich problemlos ein symphonisches Orgelwerk nach dem Vorbild Rühlmanns neu installieren, die Windladen und Spieltisch samt Magazinbalg sind erhalten. Geplündert durch Materialdiebstahl aber ohne Wasser- und sonstige Schäden-lässt sich das Vorhandene problemlos aufarbeiten.
Windladen des I.ten Manuales in Registerkanzellenbauform
Das Pedal und Manual I wurde in Registerkanzellenbauweise erstellt. Die Windladen des II. und III. Manuals wurden noch in Kastenladen erbaut.
Windladen von Manual II und III in Kastenladenbauform
Das hat den Vorteil, das die Abstromdynamik der Kastenlade eine präcisere Ansprache als die Kegellade ermöglicht. Wilhelm Rühlmann war immer auf Präcision der Tongebung und absoluter Schönheit des Tones bedacht....dies hört man an so vielen Instrumenten die durch seine Firma erbaut wurden! Darum setzte er junge dynamische Intonateure ein, die den Instrumenten diesen speziellen Klang gaben. Richard Rühlmann (Sohn von Bruder Theodor, geb.1880) ab ca. 1899/ab Opus 200 / ((201 Zwochau nachweislich...."ein Neffe besorgt die Intonation mit Hrn. Fleischer" --später Fleischer&Kindermann, Dessau ))und Georg Eule/Bautzen(geb.1882) ab ca 1905/6 in der Firma tätig. Beide prägten den Klang der Instrumente entscheidend. Jugendliche frische Klänge, kraftvolle Principale und Zungenstimmen gemischt mit einem so jugendlich dynamisch frischen Charme prägen die Klangwelt dieser Zeit. Der absolut erfahrene Wilhelm Rühlmann wusste das die Jugend der überlegeneVorsprung ist, unverbrauchte Ohren, feurige Jugend mit Ehrgeiz, frisch und kraftvoll.....diese jungen Männer setze er als Intonateure ein. Wahnsinn!!!! Da kann man nur erahnen was hier mit Opus 270 erklungen ist....ein wahrhaft imperiales Werk der Zörbiger Firma!!!