Mittwoch, 28. März 2018

LENGEFELD op.203 aus 1898

LENGEFELD bei Sangerhausen, hier steht Opus 203 aus dem Jahr 1898.
Frontalansicht 
Spielbar mit einigen Einschränkungen. Die Windladen sind in dieser Zeit üblichen pneumatischen Kastenladen ausgeführt. Das Instrument besitzt 12 Register auf zwei Manualen die in einem guten Lautstärkeverhältnis zueinander disponiert und intoniert sind.

Totalansicht
Kraftvolle Principale, eine Gamba die sich behauptet , abrundende Flöten und nicht zuletzt ein Bordun16' der in der Oberoktavlage als Soloregister fungieren kann. Im Manual II bringt das sonore Gemshorn 8' und die lapidar dahingeschriebene  Flöte 4' Kraft und Klarheit.
Detail des Spieltisches, Register des zweiten Manuals
Rauschquinte 2 fach bringt zusätzlich klangliche Pracht und feierlichen Glanz in das ganze Ensemble. Die Pfeifenformen entsprechen der ersten Generation, später änderten sich Aufschnitte, Bärte und Expressionen (bei Rühlmann: Köpfe)
vollständig aber unrestaurierte Pfeifen
Die ganze Anlage befindet sich in einem Neo-romanischen Gehäuse das von der Orgelbau-Anstalt mit erbaut wurde. Diese Form trifft man ,abgewandelt, des Öfteren bei den frühen pneumatischen Werken der Firma Rühlmann an.  Der Spieltisch ist noch aus der ersten Generation und besitzt nur die Koppeln II-I und I-Pedal.
KMD OSV Peter-Michael Seifried am Instrument
Er ist nicht in vollpneumatischer Bauweise ausgeführt sondern mechanische  Koppelgestänge werden von Keilbälgen eingeschaltet. Die Windmaschine arbeitet leider sehr geräuschvoll und auch vibrierend, einige Pedaltasten klemmen und vereinzelt gingen Töne nicht. Bei unserem Besuch 2018 war das Instrument in einem nicht restaurierten Zustand.

Donnerstag, 22. März 2018

Großleinungen Op.19 aus 1876

super gepflegt, klanglich schön intoniert im klassizistischen Gehäuse presentiert sich die Orgel in Großleinungen bei Sangerhausen.
Die 19te Orgel der jungen Orgelbaufirma Rühlmann in Zörbig. Hier hat der Großmeister noch selber intoniert, es herrschten noch hochromantische und klassische Orgelklänge vor, solide Basis heutiger gelehrter Registrationsprinzipien 8'+4'+2' mit einigen Solostimmen gefestigt mit einem gravitätischen Bass und Aliquotstimmen die schon 20 Jahre später so nicht mehr eingesetzt wurden.
Aber man muss auch sagen, das Profil der Orgelbaufirma zeigt sich auch hier schon sehr klar: kräftige Principale 8'+4'+2' Mixtur 3fach und das II-Manual ist kein einfaches Neben- oder Echowerk und besitzt Kraft mit seinem Klangvollem Geigenprincipal 8'. Dazu einige sonore Pedalstimmen.
Die Windladen sind durchweg in mechanischer Schleifladenbauweise hergestellt. Alle Manualstimmen stehen auf einer Windlade...wie bei späteren Werken auch.
Der Magazinbalg wird durch eine moderne Windmaschine gespeist. Der Kastenbalg steht noch daneben.
Ein absolut schönes Klangerlebnis, kraftvoll und strahlend.

Dienstag, 20. März 2018

BORNSTEDT Op.260 aus dem Jahr 1904

In dem kleinen Dorf, nahe der zuletzt geposteten Holdenstedter Orgel, Bornstedt befindet sich opus 260 aus dem Jahr 1904.
Prospekt in Originalbemahlung
in der damalig teilweise neuerbauten Kirche im Jugendstil, welcher weitgehend erhalten ist, steht fast unspielbar das II-manualig 16 registrige Instrument und fristet seinem kläglichen Dasein. Aber original erhalten in allen Einzelteilen! 3-4Register des I.Manuales funktionierten noch und konnten , wenn auch eingeschränkt-gespielt werden. Aber auch hier weiss man schon nach den ersten Klängen wohin die Reise geht, in Rühlmanns Spätromantik.
Totale im Raum.op.160-1904
Eine warme Hohlflöte 8' eine kalte kräftig sägende Gambe 8' und teilweise die frische Oktave 4' und der Bordun 16' verraten viel und lassen den gravitätischen Gesamtklang nur erahnen. Subbass mit Violon 16' und Principalbass 8' aus Holz bilden ein dominantes Bassfundament. Das 2te Manual war unspielbar, leider, es birgt die noch schöneren Register incl der Voix céleste 8' die sich mit dem kräftigen Salicional paart. Geigenprincipal 8' gibt immer Kraft, nicht einfach nur ein "Nebenwerk" oder "Echo" bei Rühlmann immer ein wahrer Gegenspieler zum kräftigen Hauptwerk. Die eingebaute Superoktavkoppel begünstigt dies..... leider funktionierte nichts mehr.
liegender Schwellkasten im Untergehäuse
Und oben drauf kommt noch, das das ganze II.Manual im Untergehäuse der Orgel in einem ebenerdigen Jalousie-Schwellkasten eingebaut ist der mittels, hier schon ausgeführt, eines "Pantoffeltrittes" bedient wird.
Spieltisch  mit "Pantoffeltritt"
Die Windladen sind allesamt schon in Registerkanzellen nach System Rühlmann-ausgeführt. Das was noch funktionierte ging tadellos und die Repetition gibt es auch zu, Rühlmann Pneumatik sucht noch immer seines Gleichen, und das bei ~80mm /WS Spiel und Pfeifenwind. Das Gehäuse ist Jugendstil Barock Imitation und wahrscheinlich noch in der originalen Bemahlung, lediglich die Prospektpfeifen sind Zink-Ersatz aus den 20ern. Hier bleibt doch nur der Wunsch eine Restauration zu initiieren, bei einem so aussagefähigem Instrument.
Gesamtansicht auf der Empore, Zustand 03/2018

Montag, 19. März 2018

Holdenstedt Op.212 aus dem Jahr 1899

In Holdenstedt befindet sich noch unberührt und unrestauriert, aber spielbar op.212 der Orgelbauanstalt Rühlmann.
Gesamtansicht op.212-1899 Holdenstedt
Auf zwei Manualen erklingen 20 Register, die alle durchweg einen einzigartigen Charme haben. Hier wäre eine Restauration von nationaler oder zumindest regionaler Bedeutung angebracht. Die Intonation muss generell gegen restauratorische Eingriffe wie schlechte Intonateure geschützt werden. Das Ganze Werk ist original erhalten und relativ gut spielbar. Sogar die Posaune 16'. Leider konnte beim ersten Besuch nicht das Innenleben besichtigt werden um die Windladenkonstruktion zu bewerten, aber das wird demnächst nachgeholt. Der Spieltisch ist mittig in der Front angebracht, der Magazinbalg und electr.Windmaschine befinden sich im Turmraum hinter dem Instrument.
Spieltisch op.212
Die Zinkersatz-Prospektpfeifen stammen der Bauform wahrscheinlich von Rühlmann. Die klangliche Intonation muss Richard Rühlmann (*9.9.1880) gemeinsam mit einem noch zu erforschenden Kollegen ("Herrn Fleischer" verm. später Fleischer&Kindermann, Dessau) ausgeführt haben. Die Werke 200-260/270 klingen definitiv anders als später erbaute Werke wo Georg Eule tätig war. Aber auch hier zeigt sich die Jugendlichkeit, frische Principale in klarer Abstufung zueinander, kalt kratzende aber abgerundete Streicher sowie füllig und überblasende klar zeichnende Flöten gespickt mit einer runden kraftvoll großmensurierten Posaune. Das Volle Werk bringt enorme Kraft bei gleichzeitigem Glanz und Schönheit der Einzelstimmen.
solides Pfeifenwerk von der Empore aus gesehen
Hier in Holdenstedt ist eine Restauration extrem Wünschenswert. Besonders wenn im 2kM entfernten "Bornstedt" op.260-1904 (II-16) gleich mit restauriert würde um einen so direkten Vergleich zu haben.

Samstag, 17. März 2018

das verschwundene Orgelwerk Op.270-1905 Halle Ullrichskirche Konzerthalle am Boulevard

1905 wurde von der Orgelbauanstalt Rühlmann Opus 270 im historischen Gehäuse von Christian Förner, dem Erfinder der Windwaage erbaut.
Originalphoto 1928
Sie befindet sich in der Ullrichskirche in Halle, heute genutzt als "Konzerthalle am Boulevard". 1917 wurden die zinnernen Prospektpfeifen an die Rüstungsindustrie abgeliefert und später durch aluminisierten Zink ersetzt. Sie stellte zur Erbauungszeit eines der herrausragendsten und klangprächtigsten Instrumente der Spätromantik in der Stadt Halle dar und war zugleich die zweitgrößte Orgel III/45 nach der Marktkirche Op.187 III/61von Rühlmann der Stadt. Ein imperiales Instrument. Rühlmann-Orgeln fallen immer durch eine standardisierte allgemein gültige eher langweilig aussehende Disposition auf, aber die Intonation reißt alles heraus.
Seite aus dem Firmenkatalog 1914
1933 wurde das Instrument im III.Manual mit zusätzlichen Schwellkasten durch Schwiegel 2' Sesquialter 2 fach, Mixtur 3-4fach Fagott 16' Oboe 8' und einer Trompete 4' durch Wilhelm Rühlmann jr. erweitert, um der geänderten Aufführungspraxis, barockerem polyphonen Spiel und neuen Ansichten der Orgelbewegung gerecht zu werden.
zusätzlicher Schwellkasten 1933
Die Orgel wuchs auf  III/51 an. Der Spieltisch wurde behutsam umgebaut sodass die Ergänzungen kaum auffallen. Rollschweller Balanciertritt zum III.Manual und der Rollschweller für den Registranten blieben erhalten.
Spieltisch Rollschweller Balanciertritt und Rollschweller für den Registranten
Der Gedacktbaß 16' und die Viola d´amoure 8' als Viola 8' sind Transmissionen aus dem Schwellkasten und benutzbar unter einzelnen Zügen für das sogenannte "Echopedal" Noch ehe die Kirche als Konzerthalle umfunktioniert wurde, ist das Werk Rühlmanns spurlos verschwunden, das bezieht sich aber nur auf die Pfeifen. Die Technik, Windladen und der Spieltisch ist erhalten geblieben.
Gesamtansicht 2018
Eine mutwillige Zerstörung, könnte sich die Konzerthalle heute noch über eine Spätromantische symphonische Orgel aus 1905 und einem Neobarocken Instrument von Sauer /FFO aus dem Jahr 1980, die beide im Dialog erklingen könnten, erfreuen.
demolierter Spieltisch
Hier lässt sich problemlos ein symphonisches Orgelwerk nach dem Vorbild Rühlmanns neu installieren, die Windladen und Spieltisch samt Magazinbalg sind erhalten. Geplündert durch Materialdiebstahl aber ohne Wasser- und sonstige Schäden-lässt sich das Vorhandene problemlos aufarbeiten.
Windladen des I.ten Manuales in Registerkanzellenbauform
Das Pedal und Manual I wurde in Registerkanzellenbauweise erstellt. Die Windladen des II. und III. Manuals wurden noch in Kastenladen erbaut.
Windladen von Manual II und III in Kastenladenbauform
Das hat den Vorteil, das die Abstromdynamik der Kastenlade eine präcisere Ansprache als die Kegellade ermöglicht. Wilhelm Rühlmann war immer auf Präcision der Tongebung und absoluter Schönheit des Tones bedacht....dies hört man an so vielen Instrumenten die durch seine Firma erbaut wurden! Darum setzte er junge dynamische Intonateure ein, die den Instrumenten diesen speziellen Klang gaben. Richard Rühlmann (Sohn von Bruder Theodor, geb.1880) ab ca. 1899/ab Opus 200 / ((201 Zwochau nachweislich...."ein Neffe besorgt die Intonation mit Hrn. Fleischer" --später Fleischer&Kindermann, Dessau ))und Georg Eule/Bautzen(geb.1882) ab ca 1905/6 in der Firma tätig. Beide prägten den Klang der Instrumente entscheidend. Jugendliche frische Klänge, kraftvolle Principale und Zungenstimmen gemischt mit einem so jugendlich dynamisch frischen Charme prägen die Klangwelt dieser Zeit. Der absolut erfahrene Wilhelm Rühlmann wusste das die Jugend der überlegeneVorsprung ist, unverbrauchte Ohren, feurige Jugend mit Ehrgeiz, frisch und kraftvoll.....diese jungen Männer setze er als Intonateure ein. Wahnsinn!!!! Da kann man nur erahnen was hier mit Opus 270 erklungen ist....ein wahrhaft imperiales Werk der Zörbiger Firma!!!

Freitag, 16. März 2018

Op.303 aus 1908 im Diakoniekrankenhaus Halle/Saale

Schon in den frühen 90ern restauriert, presentiert sich opus 303 aus dem Jahr 1908 in der Kirche der "Diakonissenanstalt" in Halle.
Op.303-1908 II-20 Ansicht mit seitenspieligem Spieltisch
Zuvor stand hier in der damals neuerbauten Kirche eine 7 registrige Orgel von Rühlmann, diese wurde, da sie viel zu klein und nicht den Erfordernissen entsprechend durch eine große Orgel ersetzt. Die Diakonissen sammelten fleißig und 1908 war es endlich soweit das das II-manualige 20 Register Instrument angeschafft werden konnte. Der Spätromantik verpflichtet incl eines Schwellkastens mit durchschlagender Oboe 8' sie wurde zu DDR Zeiten entfernt und in den 1990ern rekonstruiert. Stiefel, Intonationsdeckel auf dem Schallkörper und Halteraster sind leider nicht nach orignalem Vorbild ausgeführt.
rekonstruierte Oboe 8' im Schwellkasten
Zarte Solo-Register dominieren und stimmten die Schwestern zur Andacht-heutzutage auch in der winterlichen Jahreszeit bei beheizter Kirche. Der Harmonikabaß 16' ist beeindruckend, wenn auch viele nicht wissen wie man diesen einsetzt. Gelerntes Choralbegleiten 8'+4'+2' funktioniert da eben nicht. Dennoch speisst sich Kraft aus den Principalen und Streichern und der Mixtur. Kraftvoll mit elgantem Glanz bei abgerundetem Gesamtklang. Im Zuge der Rekonstruktion durch OBM Dutschke-Salzwedel, wurde auch ein pneumatischer Setzer nach seinem System eingebaut.
Spieltisch mit 2 pneumatischen Setzern von  Jörg Dutschke.OBM
Der Spieltisch befindet sich auch aus Platzmangel seitlich. Das Instrument wird heute auch von der Kirchenmusikhochschule als Üb-Instrument verwendet.

Montag, 12. März 2018

KANENA bei Halle/Saale Op.361 - 1912

Kanena, ein Vorort von Halle, hier in der kleinen barocken Dorfkirche steht noch unrestauriert aber bedingt spielbar die Rühlmann Orgel aus dem Jahr 1912.
Hineingesetzt in das historische Gehäuse der Barockzeit. Der innere Aufbau ist etwas ungewöhnlich. Hinter den Prospektpfeifen steht die Windlade des II.Manuals, Darunter quer die des Pedals und des I.Manuales. Dadurch wirkt der Hauptwerksprincipal 8' schwächer als der Geigenprincipal des Oberwerks. Das Gleiche findet man bei Flauto Amabilé 4' und Oktave4' . Dadurch erzeugt Rühlmann aber eine absolute Ausgewogenheit zwischen den zwei Manualen, wie sooft gehört an vielen kleineren Dorforgeln, so das daß sooft schwachbrüstige II. Manual aus dieser Zeit wie von so vielen Orgelbauern erbaut, hier in absolut toller Art und Weise mit dem Hauptwerk korrespondiert und einen ebenbürtiger Partner darstellt.
Die sonorig Cello-artige Gamba 8' bringt enorm Kraft, Farbe und viel scharfen Strich in den Gesamtklang. Herrlich. Principal Oktave und die 3fache Mixtur bringen doch schon barocke Klänge hervor, die durch eine Superoktavkoppel II-I noch verstärkt wird....wenn sie denn funktionierte mangels fehlender Wartung durch Jahrzehnte. Übrigens - hier war so wenig Platz im Gehäuse das die großen Baß-Pfeifen liegend installiert wurden.
Ein alter Langsamläufer mit Anlaufschaltung versieht seinen Dienst noch tadellos, aber auch er will gewartet und geölt werden.
12 Register die absolut tolle Klänge hervorbringen.


Mittwoch, 28. Februar 2018

SCHWITTERSDORF op.114 aus 1891

Unspielbar, hier kurz vorgestellt, die Orgel der ev.Kirche in Schwittersdorf bei Eisleben.

Spieltisch Op.114
Pneumatische Kastenladen, original erhalten, dennoch leider absolut defekt. Aber es gibt Hoffnung.

desolates Pfeifenwerk, aber erhalten

frühe Pneumatik aus 1891

Handhebel zum Gebläse
Des weiteren wurde Abiturarbeit von Anna Hense aus dem Ort über diese Orgel und Orgelbaufirma Rühlmann geschrieben, die sicher Ausgangspunkt zur Restaurierung sein dürfte.



Freitag, 29. Dezember 2017

UNTERNESSA Op.355 von 1912!

Im Historischem Gehäuse präsentiert sich das Instrument der Firma Rühlmann aus dem Jahr 1912 in Unternessa, einem kleinen Dorf bei Weissenfels.
Die Kirche ist durch eine Doppelemporenanlage nicht sehr hallig weshalb eine eher trockene Akkustik entsteht, aber die runden Flöten und die Streicher legen sich wie ein gewaltiger Klangteppich in der Kirche aus. Die Superoktavkoppel bringt zusätzlich noch gewisse Reize der leiseren Register auf dem 2.Manual zur Geltung. Das 2.te Manual steht leider hier im "Orgelfuß" im im unteren Inneren des Instrumentes und strahlt deshalb nicht ganz so eine Gravität aus.
Pfeifen des 2ten Manuales im unteren Gehäuseteil der Orgel
Dafür ist das Pedal mit Subbaß 16' und Principalbaß 8' auf der Höhe der Hauptwerkslade und entwickelt im Raum sonore Kraft, aber auch runden warmen Klang zu den zarten Solostimmen. Eine rundum schöne Orgel vom zartesten pianissimo bis zum gravitätischem Gesamtklang alles dabei hat.
leider nur 12 Register-aber wie bekannt-was man aus denen alles rausholen kann und die Verteilung dieser, ist eine Kunst und kann nicht an Bauformen und Mensuren allein festgemacht werden.
Detail Spieltisch -klassisch in Rühlmann Standard

Montag, 11. Dezember 2017

OBERGREISSLAU Op.310 von 1909!!

Wir presentieren wieder eine der kleinsten Rühlmann Orgeln Op.310 aus 1909 in Obergreißlau bei Weissenfels.
Obergreißlau, opus 310 - 1909
Auf einem Manual erstaunlich abgerundet von einer zartschmelzenden Hohlflöte8' und eines Gedackt8' wird das ruhigere ergänzt mit einem fülligen Principal 8' (Mensur 1-"für eine kleine Kirche") dieser kommt sehr jungendlich flötig daher, dazu gesellt sich die Oktave 4' welche nicht überschreit und zum Principal etwas zarter ist. Das Ganze wird getoppt durch die Rauschquinte 2 2/3' & 2' (ausgeprägte Quinten) die dem ganzen einen feierlichen runden Gesamtklang gibt ohne etwa schrill zu wirken. Der Subbaß 16' gibt sanfte Fülle und ein Bassfundament egal bei welcher Registerkombination. Das Ganze Orgelwerk steht auf pneumatischen Registerkanzellen System Rühlmann, absolut ausgeglichener Wind, präcise Pneumatik in der Spieltraktur und der in den Abmaßen ausgewogene RühlmannSpieltisch  halten auch hier bei aller Kleinheit des Instrumentes den Spieler fest in ihrem Bann.
Spieltisch in Obergreißlau
Die Intonation stammt von Georg Eule (1905-1913 bei Rühlmann). Das Gehäuse ist sehr ungewöhnlich und ein produktives Beispiel des Jugendstils/Eklektizismus aus der Erbauungszeit. Es wirkt auf viele wie eine Orgel im "Schuhkarton" aber das sollte man einmal mit anderen Augen betrachten: Teile der Oktave 2' im Prospekt, der rest ist durchbrochen mit Schallgittern. Eine Form die Denkmalstatus haben sollte und wirklich ein Kind dieser Zeit ist. Wer vermutet in diesem kleinen Instrument einen fetten Principal 8'.
Schallgitter links und rechts neben den 2' Pfeifen der Oktave 4'
Das kleine Instrument wurde von OSV Christoph Nötzel und Studenten der EHK Halle  in einem Orgelbauprojekt wieder hergerichtet. Ein kleines Beispiel zeitgenössischen mitteldeutschen Orgelbaues um 1910.